Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 30. Januar 2001

Marina Park Priwall mit unverkennbarem Charme

Bürgerschaft beschließt Freizeitanlage mit Feriencenter - Umgestaltung kostet rund 100 Millionen Mark

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Beispiel Klintholm: So könnte das Feriendorf auf dem Priwall aussehen; Foto: Sarcon

Mit Mehrheit hat die Bürgerschaft am Donnerstag der Entwicklung einer Freizeitanlage mit Marina und einem Feriencenter auf dem Priwall zwischen Passathafen, Südermole und Strand zugestimmt. Mit der Planung und Realisierung soll die Sarcon- Gruppe aus Hamburg beauftragt werden. Nach jahrelangen Planungen könnte es nun sehr schnell gehen mit der städtebaulichen Entwicklung des Priwalls. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stimmte gegen die Vorlage.

Das Konzept der Sarcon-Gruppe sieht unter dem Namen "Marina Park Priwall" einen in fünf Bereiche gegliederten Ferienpark vor: das Hafendorf mit 200 Wohneinheiten und einer Marina für rund 250 Liegeplätze, ein in sechs kleinere Bereiche untergliedertes Dünendorf mit 100 Wohneinheiten, einen Freizeit-, Sport- und Unterhaltungsbereich mit Sauna/Well-nessanlage, Indoor-Beachsport-Center, Geschäften und Restau- rants, eine Wohnanlage am Passathafen mit zwei- und dreigeschossigen Häusern mit100 Wohneinheiten sowie den öffentlichen Strand und das Waldgebiet als Bindeglied zur Travepromenade mit zwei neuen Schutzmolen als Schutz der Badegäste und des Hafens vor den Wellen und der Strömung durch die Schiffahrt.

200 000 Übernachtungen

Das gestalterische Ziel sei, "der Gesamtanlage durch die Verwendung von unterschiedlichen Formen und Materialien in Verbindung mit harmonischen Farben einen eigenen unverkennbaren Charme zu verleihen, welcher das Gefühl von Harmonie und nordischem, unbeschwertem Flair vermittelt."

Alle zentralen Einrichtungen würden so ausgelegt, daß sie nicht nur den Übernachtungsgästen zur Verfügung stünden, sondern ebenso den Tagesbesuchern sowie der einheimischen Bevölkerung.

Bei einem Ganzjahresbetrieb der Anlage und einer angestrebten Auslastung von 35 Prozent der insgesamt 1600 bis 2000 Betten wird mit rund 200 000 Übernachtungen jährlich gerechnet. Schwerpunktmäßig wolle man in den Ferienzeiten Familien mit Kindern ansprechen. Zu den "erweiterten Zielgruppen" zählten dann Gruppen, Vereine und "Paare unterschiedlicher Altersstruktur".

Die Umgestaltung der rund 33 Hektar großen Fläche verschlingt nach Angaben von Kurt Sarstrup, Gründer und Alleingesellschafter von Sarcon, etwa 100 Millionen Mark. Er hofft nach dem zustimmenden Votum der Bürgerschaft, daß die Planungen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Dann könnte im Frühjahr 2002 Baubeginn und im Jahr 2004 bereits die Eröffnung des "Marina Park Priwall" sein.

In die Planung eingebunden wird laut Bürgerschaftsbeschluß eine "Projektgruppe Priwallentwicklung". Sie besteht aus Vertreterinnen und Vertreter der Priwallbewohner, der örtlichen Vereine und Verbände, der Gewerbetreibenden, der Verwaltung und der Sarcon-Gruppe. Die Aufgabe der Projektgruppe ist die Erarbeitung des städtebaulichen Neuordnungskonzepts unter Berücksichtigung der Wünsche der Anwohnerinnen und Anwohner.

Zu dieser Zusammenarbeit ist Sarstrup grundsätzlich bereit, betonte aber gegenüber der Stadtzeitung (SZ), daß es bei der Umsetzung von Wünschen auch Grenzen gäbe. "Die Linie muß bleiben", so Sarstrup. Das vorgelegte Konzept sei ausgewogen und durchgerechnet; aber natürlich seien "Ergänzungen und Korrekturen" noch möglich.

"Nicht zerreden"

Die Mehrheit der Bürgerschaftsmitglieder zeigte sich von den Plänen angetan. In vielen Gesprächen mit den Betroffenen hätte man der CDU-Fraktion immer wieder gesagt, daß der Priwall "nicht von der touristischen Entwicklung abgekoppelt werden dürfe", sagte etwa der Fraktionsvorsitzende Klaus Puschaddel. Mit Sarcon hätte man einen "potenten Betreiber" und "Investor mit Know-how", das dürfe man nicht zerreden, sagte Puschaddel mit Blick auf die skeptische Haltung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Carl-Wilhelm Howe von den Bündnisgrünen nämlich sah "viele ungeklärte Fragen" in der Vorlage: "Wo sind die Winterliegeplätze? Wo die Kfz-Einstellplätze? Wer baggert - wenn nötig - die Marina frei?" waren nur einige seiner kritischen Anmerkungen.

Eine Diskrepanz sah Howe zudem darin, daß in einem vorher erstellten Gutachten 600 Betten als Obergrenze beziffert worden waren, Sarcon aber fast 2000 Betten aufstellen will. Deshalb sprach sich die Fraktion schließlich gegen die Pläne aus.

Dagegen war Rudi Lichtenhagen von der SPD des Lobes voll: "Die Vorlage hat in Travemünde Begeisterung ausgelöst." Nun gehe es auch auf dem Priwall los - und zwar im Galopp.

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