Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 30. Januar 2001

Arsen im Grundwasser - doch nicht so ganz natürlich?

Bündnis 90 / Die Grünen

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V.i.S.d.P.: Hans-Jürgen Schubert

Am unteren Travelauf häuft sich alter und neuer Industriemüll: das alte Metallhüttengelände, die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, das frühere Holzimprägnierwerk Pfleiderer, die Giftmülldeponie Schönberg. Dennoch wird das Arsenvorkommen dort in den tieferen Grundwasser- schichten, aus denen wir unser Trinkwasser beziehen, von staatlichen Stellen vorzugsweise durch natürliche Ursachen erklärt. In Schleswig-Holstein vermuten zum Beispiel das Landesamt für Natur- und Umweltschutz und das Umweltministerium den Ursprung des Arsens im vorhandenen Gestein. Nun aber hat sogar ein amtlich beauftragter Gutachter die Möglichkeit einer industriellen Verseuchung nicht mehr ausgeschlossen. Professor Dr. Pekdeger schreibt in seiner neuesten Stellungnahme: "Einen möglichen Kontaminationsherd stellt das Pfleiderer-Gelände dar. Durch Fenster im grundwasserhemmenden Geschiebemergel oberhalb des Hauptgrundwasserleiters kann es zum Kurzschluß zwischen dem oberflächennahen und dem Haupt- grundwasserleiter kommen. Der damit verbundene Eintrag von Arsen in den Hauptgrundwasserleiter könnte sich in den erhöhten Arsengehalten in den Brunnen des Wasserwerkes Schlutup widerspiegeln."

Wenn sich die Verbindung des oberen und unteren Grundwassers, auf die schon in früheren Jahrzehnten hingewiesen wurde, als nicht mehr zu leugnen erweist, ist das Sanierungskonzept für das ehemalige Pfleiderer-Gelände an der Mecklenburger Straße 174, jetzt im Besitz der Lübecker HafenGesellschaft, grundlegend verkehrt. Hier werden zur Zeit die gleichen Fahrlässigkeiten begangen wie auf dem alten Metallhüttengelände. Die Giftherde im Boden werden lediglich durch Spundwände eingegrenzt, oberflächlich abgedeckt, und Sickerwasser wird abgepumpt. Nötig für eine Sanierung ist aber ein Ausbaggern und Reinigen des Bodens sowie seine anschließende unschädliche Lagerung. Dies würde mehr kosten als die veranschlagten fünf Millionen Mark, wäre aber viel preiswerter als die Suche nach anderen Grundwasservorkommen.

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