Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 06. Februar 2001

Bald kann hier "gebrahmst" werden

Denkmalpflege kommt mit der Sanierung der Eschenburg-Villa gut voran

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Ein historisches Foto, aufgenommen um 1900: Witwe Eschenburg am Fenster des Wintergartens der nach ihrer Familie benannten Villa am Burgfeld; Foto: Museum für Kunst- und Kulturgeschichte

Der Bereich Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck als verlängerter Arm des Kieler Kultusministeriums ist federfüh-rend bei der Sanierung der klas- sizistischen Eschenburg-Villa am Burgfeld - eine erfreuliche Aufgabe für Dr. Michael Sabottka. Vor allem eine Nachricht stimmt alle Beteiligten froh:Die Arbeiten kommen so gut voran, daß das Brahms-Institut an der Musikhochschule nicht erst 2002, sondern bereits in diesem Herbst von der Königstraße zum Jerusalemsberg umziehen kann.

Noch aber ist das eingetragene Kulturdenkmal eine totale Baustelle. Im Mittelpunkt für den Denkmalpfleger stehen die Arbeiten des Lübecker Restauratoren-Ehepaars Linde und Karlheinz Sass. In mühevoller Kleinarbeit setzt es das "Innenleben" der Villa wieder instand, das durch Vandalismus und den Brand im September 1998 stark gelitten hat.

Dänischer Baumeister

Dem Engagement der Restauratoren ist es zu verdanken, daß als Architekt der von 1800 bis 1804 erbauten Villa der große dänische Baumeister Christian Friedrich Hansen (1756-1845) zweifelsfrei festgestellt wurde - und nicht der lübsche Stadtbaumeister Joseph Christian Lillie, der offenbar den Bau lediglich vollendet hat.

In einem von Hansen im Jahr 1815 selbst herausgegebenen Katalog mit der Bestandsaufnahme seiner bis dahin geschaffenen Bauten wird das "Landhaus der Witwe Kuhlmann bei Lübeck" erwähnt, das später dem Werftbesitzer Henry Koch, sodann der Patrizier-Familie Eschenburg gehörte und schließlich nach dem Krieg Sitz der Musikakademie (nunmehr Musikhochschule) wurde. Seit diese vollständig in den sanierten Block zwischen Großer Petersgrube und Depenau umsiedelte, hatte das Kulturdenkmal leergestanden.

Originale Raumfarbe

Linde Sass: "Das Besondere, ja Einzigartige der Villa ist die originale Raumfarbe, inklusive der Ornamentmalereien, die noch von Hansen stammt - die gibt es in keinem seiner Gebäude mehr, weder in Norddeutsch-land noch in Dänemark." Zum Glück kann aufgrund einer gu-ten Dokumentation die Villa innen und außen in ihren einmalig schönen Originalzustand gebracht werden.

An den Stukkaturen waren umfangreiche Sicherungsmaßnahmen notwendig. Die vom Schwamm befallene Kellertreppe - vor dem Brand zum Glück ausgebaut und ausgelagert - dient nun dem Nachbau als Vorbild. Im großen Saal wurde der bemalte Fußboden gesichert und wird die Decke in ihren klassizistischen Originalzustand versetzt. Im - allerdings später angebauten - Wintergarten soll, so Dr. Sabottka, das Glasdach "nicht historisierend wiederhergestellt werden"; doch könnte im unteren Bereich ein kleiner Wettbewerb zu moderner Glasgestaltung beitragen. Der neue Kalk- putz außen in einem zarten Terra-Ton trägt den ursprünglichen Ideen von Baumeister Hansen Rechnung.

Lübecks Denkmalpflege und heimische Firmen legen sich also für ein Gebäude ins Zeug, das dem Land gehört. Der ebenfalls unter Schutz gestellte Landschaftsgarten mit altem Baum- bestand gehört auch dem Land, wird aber von der Hansestadt Lübeck "verwaltet", also gepflegt.

Die "Anschubfinanzierung" in Höhe von 1,5 Millionen Mark für die Sanierung der Eschen- burg-Villa kam von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Possehl-Stiftung in der Hansestadt.

Das Landhaus vor den Toren Alt-Lübecks - daneben gibt es von dieser herausragenden Kategorie noch ein zweites mit der Lindeschen Villa (Standesamt) an der Ratzeburger Allee - wird im Herbst wieder ein Teil der Musikhochschule sein: als Zentrum für Kammermusik (mit Überäumen) und als Sitz des 1991 gegründeten Lübecker Brahms-Instituts.

Endlich genügend Platz

Dieses platzt in seinem Dachgeschoß-Domizil in der König-straße aus allen Nähten. Sein Leiter Prof. Dr. Wolfgang Sandberger begrüßt es sehr, am Jerusalemsberg endlich genügend Platz für die umfangreiche Bibliothek samt Forschungsplätzen, für die Brahms-Sammlung, für einen Audio-Raum und vor allem auch Ausstellungsfläche für Noten und Brahmsiana zu erhalten. Schließlich haben die Instituts-Gründer, Professores Kurt und Renate Hofmann, eine der bedeutendsten Brahms-Sammlungen der Welt zusammengetragen.

Ein weiteres Konvolut konnte - dank großherziger Mäzene - inzwischen erworben werden:Der Nachlaß Avé Allemant aus Hamburg mit wichtigen Brahmsiana wird am Sonntag, 1. Juli, mit einem Festakt der

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