Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 20. Februar 2001

Kein Wochenendausflug

Bürgermeister Bernd Saxe läßt sich von Schlutuper Bürgern die Probleme ihres Stadtteils erläutern

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Interessiert betrachten Schlutuper Bürger, Vertreter der Stadtverwaltung und Bürgermeister Bernd Saxe (re.) die Pläne der LHG, die Karsten Brüning (im Vordergrund) erklärt

Der dritte Stadtteil, den Bürgermeister Bernd Saxe besuchte, um von den Bürgern und Bürgerinnen vor Ort etwas über aktuelle Probleme zu erfahren, war Schlutup. Wie in Moisling im August und in Vorwerk im Oktober, interessierten ihn nicht die schönen Stellen, denn "die kann ich mir auch am Wochenende angucken", sagte er. Nein: Saxe wollte wissen, was die Schlutuper ärgert, was verbessert werden kann und was geändert werden soll - von der Stadt, mit Unterstützung der Stadt oder aus eigener Kraft.

Der Rundgang von Mitarbeitern der Stadtverwaltung, Politikern, Schlutuper Bürgern und Vereinsvorsitzenden begann an der Fabrikstraße - bei eisiger Kälte. Thema war zunächst der Lkw-Verkehr, der diese kleine Straße belastet (siehe unten). Wärmer wurde es erst am Fischereihafen: Die Sonne brach durch den Frühnebel und die Gruppe genoß den Blick über die Schlutuper Wiek. Der Ort zeigte sich in bestem Licht, und ohne die Schlutuper Begleiter, die auf Schandflecke aufmerksam machten, auf Versäumnisse und Probleme hinwiesen und ihre Sorgen formulierten, hätten die Besucher vor allem ein sehr hübsches Dorf gesehen.

Ungeduldig verfolgten die Schlutuper den schleppenden Gang des Bebauungsverfahrens Haler Ort. Bereits vor einem Jahr, am 23. Februar 2000, wurde der Bebauungsplan in Schlutup vorgestellt: Zwischen Haler Ort und Kampstraße sollen auf den Flächen der ehemaligen Fischkonservenfabrik "Anker" und auf Grünflächen im Anschluß an die Fischkonservenfabrik "Tip Top" 40 Wohneinheiten in Einfamilien-, Doppel- und Kettenhäusern entstehen. Seitdem haben die Schlutuper jedoch nichts weiter gehört, dabei gäbe es viele Interessenten für die geplanten Häuser. "Es dauert alles zu lange, die Bürger ziehen weg und suchen sich woanders etwas", sagte Jürgen Schreiber vom Gemeinnützigen Verein. Elke Wulf, die in der Kampstraße wohnt, war der gleichen Meinung: "Hoffentlich wird das bald was, wär gut, wenn das hier in Ordnung kommt." Gerhard Burmester, Leiter der Bürgermeisterkanzlei, macht sich Notizen - er will beim Fachbereich Stadtplanung nachfragen, ob das Verfahren nicht beschleunigt werden kann.

Die nächste Station war der Markt. Die mit Plakaten bepflasterte Wartehalle am Markt empfänden viele Schlutuper als Schandfleck. Sie fragten sich, was mit dem in den 50er Jahren gebauten Häuschen passieren soll. Das Dach sei marode und müsse dringend repariert werden. Aber lohne es sich überhaupt, noch Geld in dieses Gebäude zu stecken?

Nächster Halt:Vor dem Essig-Kühne-Gelände im Palinger Weg. Jürgen Schreiber schlug vor, den Fußweg auf der Fabrikseite der Straße zu sperren; wegen der rangierenden Lastwagen, die dort beladen werden, sei er für Fußgänger gefährlich. Ein Fußgängerübergang dort, wo das Gelände beginnt, würde die Fußgänger sicher auf die Straßenseite zum Mühlenteich hin bringen. Und es wäre besser, wenn die Lastwagen auf dem Kühne-Parkplatz statt an der weit entfernten Bushaltestelle wenden würden; für die Anwohner des Palinger Wegs sicher eine Erleichterung.

Lothar Thabe, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Schlutup, lag die durchgehende Busverbindung zum Kaufhof auf Marli am Herzen; daß sie auf dieser Strecke umsteigen müssen, passe den Schlutupern, besonders den älteren Leuten, nicht. "Die Einkaufsmöglichkeiten in Schlutup sind nicht mehr das, was sie mal waren. Wir haben nur einen praktischen Arzt und einen Zahnarzt, aber keine Fachärzte", sagte Thabe. Am Kaufhof könne man gut einkaufen, dort lägen die Facharztpraxen und soll demnächst ein Bürgerbüro eingerichtet werden.

Nach dem Sportplatz ging es am Güterbahnhof vorbei zur Wesloer Straße (siehe unten).

Und nach der Mittagspause trugen im Restaurant "Drei Linden" während der zweistündigen Bürgerstunde 20 Schlutuper ganz persönlich ihre Sorgen dem Verwaltungschef vor - beispielsweise die Lärmbelästigung durch den Hafen.

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