Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 01. Mai 2001

Lärmminderung: Nichts passiert

Zum SPD-Beitrag: "Den Verkehr in Lübeck stadt- und umweltfreundlich weiterentwickeln". SZ vom 10. April

Zu dem von Ulrich Pluschkell angesprochenen Verkehrsentwicklungplan liegt mir ein wesentlicher Teil, nämlich die Lärmkarten, die vom Umweltamt der Hansestadt Lübeck erarbeitet wurden, seit 1994, schon sieben Jahre vor. Ich frage mich allerdings, was von den geforderten Maßnahmen tatsächlich von der Bürgerschaft und dem von Ihnen erwähnten Beirat angenommen und umgesetzt wurde. Ich möchte dieses an einem Beispiel festmachen: Der Straßenzug Roonstraße-Marlistraße-Heiligen-Geist-Kamp wurde schon 1994 mit einer Lärmbelastung von tagsüber 70 Dezibel (dB) und nachts 60 dB gemessen. Dieser Straßenzug durchschneidet zwei Wohngebiete, Marli und St. Gertrud. Hierfür wurde eine Lärmobergrenze von tags 50 dB und nachts 40 dB festgelegt. Wohlgemerkt schon 1994! Seitdem hat der Verkehr auf diesem Straßenzug um mehr als 100 Prozent zugenommen und wird durch die Fertigstellung der Nordtangente nochmals eine Steigerung der Verkehrslast erleben. Was aber ist seitdem an den von Ihnen so hoch gepriesenen Maßnahmen zur Lärmminderung passiert? Nichts!!! Während die Anwohner zumindest in den Jahren bis 1997 nachts die Fenster öffnen und eine halbwegs ungestörte Nachtruhe verbringen konnten, ist dies heute unmöglich, und tagsüber hat die Lärmbelästigung ein Ausmaß erreicht, daß nahezu an die Unerträglichkeit grenzt. Umso schlimmer, zu erfahren, daß bei der Planung der Nordtangente alle Maßnahmen am Sandberg enden und die Folgemaßnahmen in dem Straßenzug noch nicht einmal angedacht wurden. Vielleicht muß man in Lübeck ja ein ehemaliger Senator sein, um sein Umfeld durch Lärmminderungsmaßnahmen erträglicher ge-
staltet zu bekommen? Ich erinnere daran, daß beim Bau der Umgehungsstraße Schlutup Lärmschutzwälle und Bepflanzungen errichtet wurden, nur weil unter anderen Herr Dr. Brock, der mit seinem Haus 400 Meter!! von der Straße entfernt lag, über Lärmbelästigung klagte. Aber die Einwohner von Marli und St. Gertrud sind ja nur einfache Bürger. Ich lade Sie und auch die von Ihnen angesprochenen Beiratsmitglieder gerne ein, an einem schönen Sommerwochenende einen Nachmittag und Abend auf meiner Terrasse zu verbringen, um sich einen persönlichen Eindruck von der Unerträglichkeit des Lärms zu machen.

Klaus Behrendt, Lübeck

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de