Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 10. März 1998

Editorial

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Kennen Sie den Krimi "Mord im 31. Stock" von Per Wahlöö? Nein? Dann sollten Sie sich das Bändchen unbedingt besorgen. Es handelt von Machenschaften im Mediengewerbe. Von notorischen Lügnern und Nachrichtenverdrehern, die Gesetze mißachten. Die fähige Journalisten korrumpieren oder in die Verzweiflung treiben. Die zum Erhalt des Verlagskonzernes und der liebgewonnenen Macht über die öffentliche Meinung sogar über Leichen gehen. Am Schluß fliegt die Verlagszentrale in die Luft, nachdem sie kurz zuvor evakuiert wurde. Niemand kommt zu Schaden - bis auf die Bewohner im geheimgehaltenen 31. Stock. Dort sitzen alle unbeugsamen, kritischen und fähigen Publizisten. Brüten im Auftrag des Verlages über einer nie erscheinenden intellektuellen Politikzeitschrift. Bumm! Die Bombe, gelegt vom Geschäftsführer persönlich, reißt alle in den Tod.

Starker Tobak, geschrieben 1964 von einem hochbegabten Gesellschaftskritiker und Visionär, dem wir viele spannende Thriller verdanken.

Aber wie kamen wir jetzt darauf? Ach ja. Originell ist vor allem die Schilderung der Herrschaftsverhältnisse in dem Verlag. Die Chefs des Hauses sind geplagt von Wortfindungsschwierigkeiten, Schreibblockaden und Formulierungshemmungen. Eben deshalb, weil sie Stunden benötigen würden, um einen einzigen vernünftigen Satz aufs Papier zu bringen, verlegen sie sich darauf, Chefs zu werden und die Journalisten zu unterjochen. Aus Rache. Und damit wir nicht zu solchen Chef-Ekeln werden müssen, bekämpfen wir entschieden jegliche Schreibmüdigkeit, die uns zuweilen befällt. Wir schreiben und schreiben und schreiben - die Gefahr stets im Auge.

Ihre SZ-Redaktion

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