Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 10. März 1998

Die können 100 Meter weit singen

Bei den Kinderkursen im Naturhistorischen Museum ertönen Walgesänge

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"Als wenn die uns was zurufen" - Lothar mit Orkawal; Foto: B. Waffek

Im zweiten Stock des Naturhistorischen Museums quiekt und quakt es, man hört lautes Jaulen und Maunzen, eindringliches Krähen und Wiehern. Der Anblick ist nicht besser: Ein wildes Durcheinandergehüpfe, zwei Frösche kollidieren miteinander: "Autsch, du Arsch!" Der Zoo an dem sonst eher beschaulichen Ort für längst ausgestorbene Tierarten ist heute quietschlebendig und besteht ganz offensichtlich aus menschlichem Getier: Zehn Kinder haben sich zu einem Kurs des Naturhistorischen Museums eingefunden und spielen eine Art darstellendes Memory. Jedes Kind muß durch Nachahmen seinen Tierpartner finden.

"Bei den Kursen `Der Natur auf der Spur' ist die Nachfrage riesig," weiß Biologin Petra Schuhr, die die Kinderkurse ins Leben gerufen hat. Die sind nicht nur trockene Wissensvermittlung, sondern ein mit allen Sinnen erfahrbarer Unterricht. "Die Hauptschlagader eines Wales ist so groß, da könnte ein Kind durchkrabbeln," Kursleiterin Kerstin Maiwald versucht, den Kindern die Dimensionen des Riesensäugers nahezubringen. "Frißt er denn das Kind?" will der achtjährige Sebastian wissen, prompt etwas beunruhigt. Aber die Referentin schüttelt den Kopf:"Der Hals ist zu eng." Na bitte. Sebastian ist dennoch skeptisch: "Warum kann der Wal dann Tintenfische fressen?"

Lernen im Dialog, Lernen im Spiel, Lernen, die Natur- und Pflanzenwelt zu achten, so könnte man das pädagogische Konzept der Kinderkurse umreißen.

Zunächst erfahren die Kinder beim Gang durchs Museum Wissenswertes über die ausgestellten Exponate. Da sind die fossilen Überreste des Miozänwales, das Prunkstück des Museums. Er hat vor 10 Millionen Jahren in der Nähe von Groß Pampau gelebt. In einem weiteren Schritt nähern sich die Kinder den Unterwassertieren in plastischer Weise. Sebastian haut entschieden den Tonklumpen auf den Tisch, bevor er einen Katzenhai daraus formt. Bei Sebastian sieht der Wal eher wie ein Flugzeug aus - eben ein Flugwal.

Das Beeindruckendste aber sind die Walgesänge am Ende der zweistündigen Exkursion. Indem man die Bandgeschwindigkeit auf ein Viertel erhöht, kann man sie hörbar machen. "Ich weiß, die können 100 Meter weit singen," sagt die kleine Marie. Für Ludwig klingt es wie eine Melodie: "Ich hab die Augen zugehabt und ich hab das Gefühl gehabt, als wenn die uns etwas zurufen." Ab 21. April sind wieder neue Kurse geplant. Anmeldung:12-24122.

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