Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 24. Juli 2001

Drogenhilfe ist gut vernetzt

CDU-Politiker besuchten Lübecker Einrichtungen

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Frauke Tengler, Thorsten Geiß-ler, Gisbert Stein und Dr. Michael Hamschmidt Foto: M. Rulfs

Frauke Tengler, drogenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein, und Thorsten Geißler, Lübecker CDU-Vorsitzender, haben am vergangenen Dienstag Einrichtungen der Lübecker Drogenhilfe besucht und sich über die Suchthilfepolitik der Hansestadt informiert.

"Das Besondere an der Lübecker Drogenhilfe ist ihre besonders gute Vernetzung", sagte Dr. Michael Hamschmidt, Leiter des Gesundheitsamtes. Neben dem Gesundheitsamt besichtigten die beiden CDU-Politiker zwei wichtige Einrichtungen der Drogenhilfe, die AWO Drogenhilfe und die Fachklinik Holstein.

Von Hans Müller, dem Leiter der AWO Drogenhilfe, wollte Tengler unter anderem wissen, wie er die Heroin-Substitution durch Methadon bewerte und ob sie zum Ausstieg führe. Die Antwort fiel zurückhaltend aus. Gisbert Stein, Lübecker Suchthilfekoordinator sagte: "Methadon ist kein Modell in Richtung Ausstieg." Interessant seien die Erfahrungen des Baseler Modells, bei dem die Abhängigen direkt mit Heroin versorgt werden. "Dort gibt es eindeutig weniger Erkrankungen; eindeutig mehr Abhängige können wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden." Tengler fragte weiter, wie die AWO-Drogenhilfe mit der Frage "Mein Sohn nimmt Hasch" umginge. Müller sagte: "Eltern reden oft von Haschisch. Ob es nur darum geht, wissen wir erst einmal gar nicht. Außerdem ist Haschisch illegal." Er betonte, daß jede Anfrage, sowohl von Eltern als auch von direkt Betroffenen, ernst genommen würde. Stein ergänzte eine in der Drogenhilfe verbreitete Erkenntnis: "Ein Kind, das Schwierigkeiten macht, ist ein Kind, das Schwierigkeiten hat."

Prävention so früh wie es geht

Dr. John Kocs, leitender Oberarzt, und Dr. Clemens Veltrup, Geschäftsführer des Therapieverbundes Ostsee, stellten die mitten in Lübeck gelegene Fachklinik Holstein vor. Sie hat 60 Behandlungsplätze für die stationäre Rehabilitation von Alkoholabhängigen, 10 für die tagesklinische Rehabilitation, und behandelt ambulant. Außerdem verfügt sie über 14 Drogenentzugsplätze (die sogenannte Entgiftungsstation). Tengler und Geißler fragten unter anderem, wer welche Drogen nehme und welche Bedeutung Crack und Ecstasy in Lübeck haben. Kocs: "Kokain nimmt zu, Crack nimmt zu, Ecstasy nimmt zu." 90 Prozent aller Drogenkonsumenten nähmen im Jugendalter Drogen aus Neugierde, um zu experimentieren oder um "sich selbst zu finden." "Zehn Prozent bleiben auch daran hängen - aber diese Entscheidung ist bereits bis zum
neunten Lebensjahr gefallen." Daher ist die sehr frühe Prävention besonders sinnvoll.

Tengler fand den Besuch insgesamt sehr aufschlußreich. Sie sieht sich durch

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