Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 10. März 1998

Wenn schon Kritik, dann bitte richtig!

Zu: "Überreaktion der Emanzipatoren". SZ vom 3. Februar.

Nun läßt sie mir doch keine Ruhe, die nette man/fra- beziehungsweise mann/frau-Wortspielerei, die amüsanterweise einmal unter Männern ausgetragen wurde und Herrn Nehls zu einer offenbar ernstgemeinten Kritik veranlaßt hat, die wiederum, so sehr sie mich ebenfalls zum Schmunzeln brachte, nicht ganz unwidersprochen hingenommen werden kann.

Zunächst sei jedoch positiv vermerkt, daß Herr Nehls sich nicht scheute, es den von ihm kritisierten Wortschöpfern gleichzutun und mit dem köstlichen Begriff "Emanzipator" aufzuwarten, womit die nach wie vor in feministischen Kreisen heiß diskutierten Sprachphänomene auch noch kurzerhand zur Männersache deklariert werden. So geraten die "weiblichen Emanzen" - denn beim Emanzipator handelt es sich doch sicherlich um eine vermännlichte solche - einmal nicht in die Schußlinie der Kritik, wie aufmerksam!

Doch was den Ursprung des Pronomens "man" angeht, das zweifellos nach Altvätersitte gleichermaßen für "er, sie, es" verwendet wurde und immer noch wird, irrt der Herr Kritiker. Dazu sei im folgenden die Sprachwissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Luise F. Pusch zitiert:

"... Als vor etwa zehn (inzwischen bereits über zwanzig!, Anm. d. Verf.) Jahren einige Frauen anfingen, frau statt man zu sagen, fanden andere das chauvinistisch, "unmenschlich", ja männermordend. Wenn man schon abgeschafft werden soll, hieß es, dann ersetzt es doch besser durch mensch.

Aber ist mensch wirklich "menschlicher", umfassender, als frau oder man? Immer wieder lesen und hören wir Frauen, daß er, der Mensch, männlichen Geschlechts sein muß. Andernfalls nämlich ergeben die meisten offiziellen Aussagen über "den Menschen" keinen Sinn. Und das Substantiv Mensch ist, genau wie man, abgeleitet von dem Wort Mann (genauer: von althochdeutsch man-nisco (männlich) über mennisco, mennisc zu mensch). Frau ist von der Wortgeschichte her tatsächlich viel besser geeignet, für beide Geschlechter zu stehen. Im Germanischen gab es den Stamm frau- (hochgestellte Person) mit den wahlweisen Endungen -jo für die Frau und -ja für den Mann.

Ob wir Frauen, Fraujo oder Frauja, so sinnige Sprachsitten nicht vollends wiederbeleben sollten? Immerhin -frau für man war schon ein vielversprechender erster Schritt."

(aus Luise F. Pusch: Das Deutsche als Männersprache; nicht nur "EmanzipatorInnen" wärmstens zu empfehlen!)

Gerda Vorkamp, Lübeck

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