Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 04. September 2001

Vernünftig reden

Zu: "Bundesweit in denSchlagzeilen"; SZ vom 28. August 2001 und andere

Die Reaktionen auf den Brief des Icomos-Präsidenten Michael Petzet an Lübecks Bürgermeister zeigen, daß Lübecks Verantwortliche die Argumente der Kritiker nicht begreifen oder verdrängen. Man meint, die Kritiker dahingehend belehren zu müssen, daß "weder das einsturzgefährdete Stadthaus noch die alte Post Denkmale des Welterbes" seien; man wirft Icomos vor, "... Interimsbauten durch Historismus ersetzen" zu wollen; man unterstellt den Kritikern, sie wollten die "Ruinenlandschaft bewahren".

Besonders abstrus finde ich das Erstaunen des Bürgermeisters darüber, daß "Icomos seine Meinung gebildet hat, ohne mit uns gesprochen zu haben" - eine Verkennung der Lage, liegt doch die Berichtspflicht und die Pflicht zur Einbeziehung von Icomos beziehungsweise von der Unesco bei Projekten vom Kaliber Peek & Cloppenburg bei Lübeck.

Sind unsere "Erwählten" wirklich so ahnungslos oder tun sie nur so? Die Verantwortlichen mögen sich bitte daran erinnern, daß die Lübecker Denkmalpflege bis Januar dieses Jahres an der Projektplanung nicht beteiligt wurde! "Berühmt" ist auch die Schein-Diskussion, die der Bürgermeister mit Mitglieder der Initiative "5-vor-12" führte. Seine Zustimmung zum Ingenhoven-Projekt lag bereits fertig formuliert und gedruckt in der Schublade - glaubhafte Belege von Gesprächsoffenheit!

Darüberhinaus verdeutlicht jedes Statement der Verantwortlichen, Kommunalpolitiker und anderer, daß im "Welt-erbe-Status" ein kommerzieller Posten gesehen wird. Ich wünsche mir eine Belehrung unserer Verantwortungsträger durch die Unesco und durch Icomos.

Starker Tobak ist die Unterstellung des Architekten, der Icomos-Präsident habe das Projekt "ohne Kenntnis der Pläne" schlechtgemacht, was "unseriös" sei. Er folgert daraus, jemand habe sich offensichtlich instrumentieren lassen". Die gesamte Pro- und Contra-Diskussion in Lübeck und in der Fachöffentlichkeit basiert auf den in den Lübecker Nachrichten veröffentlichten Computerzeichnungen aus dem Projekt-Exposé des Büros Ingenhoven - Zeichnungen, die auch der Icomos-Präsident erhielt! Wenn Ingenhoven weiterhin ernstgenommen werden will, müßte er logischerweise auch seine auf diesem Exposé beruhende und per LN-Abdruck erfolgte Informationsstrategie gegenüber den Lübecker Verantwortlichen und der

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