Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 02. Oktober 2001

Rathaus ade

Hannelore Timpen geht in Rente

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26 Jahre im Dienst der Hansestadt und jetzt im Ruhestand: Hannelore Timpen; Foto: N. Neubauer

Ein Tablett, auf dem 48 Sektgläser stehen, von A nach B zu bringen, ohne daß etwas schief geht, das heißt schon was. Ein Tablett mit 48 Sektgläser darauf, heil an Hunderten von Gästen vorbei zu lavieren, die nicht still stehen, mal aus Versehen anrempeln, sich am guten Tropfen bedienen und damit das Gewicht auf dem Tablett verändern - ohne daß es klirrt und kracht - das ist eine Leistung.

"Mir ist nie etwas hingefallen", sagt Hannelore Timpen. 26 Jahre hat sie im Rathaus gearbeitet, am 30. September war ihr letzter offizieller Arbeitstag, am 1. Oktober ihr erster Tag in Rente. Aus gesundheitlichen Gründen habe sie aufgehört, "ein bißchen traurig bin ich schon", sagt die 60jährige.

1975 begann ihre Karriere bei der Hansestadt. Sie fing zunächst als Raumpflegerin an, putzte Audienzsaal, Börse und die anderen Räume jeden morgen. "Um halb vier fing ich an, so daß ich um sieben wieder zu Hause war und meine Kinder in die Schule bringen konnte."

Später arbeitete sie als Rathauswärterin. Sie überbrachte eine Zeit lang im Auftrag der Hansestadt Glückwünsche, wenn etwa ein Paar Goldene Hochzeit feierte - damals war das noch üblich. Dann hatte sie eine Beschaffungsstelle inne, holte die günstigsten Angebote für Bleistift bis hin zum Computer ein, bis sie schließlich vor acht Jahren zur Rathausverwalterin aufstieg. "Ich war die erste Frau auf dieser Stelle in der über 770jährigen Geschichte des Rathauses", sagt sie stolz.

Daß bei Empfängen alles glatt läuft, die Farben der Blumen stimmen, die Gläser blitzen - dafür war sie zuständig. "Ob Könige, Staatsoberhäupter, Botschafter - mir war es wichtig, daß ich meinen Job gut mache, wer empfangen wurde, stand im Hintergrund." Das Beste habe sie gegeben, schließlich sei das Rathaus ja das Aushängeschild der Stadt. So hat Timpen auch "unmögliche" Wünsche von Gästen erfüllt. "Bei einem Empfang wollte einer ein Glas Milch. Wo bekommt man nachts um elf ein Glas Milch her?" Timpen allerdings brachte auch das fertig und servierte schließlich das Getränk.

Die Füße will sie nun als Rentnerin nicht hochlegen. Sich um die Familie kümmern, reisen, lesen, stricken und sticken reichten eigentlich schon, um die Zeit auszufüllen, aber: "Sobald ich ein bißchen Luft habe, werde ich mich sozial engagieren und alten, einsamen Menschen helfen."

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