Ausgabe vom 30. Oktober 2001
Visionäres Projekt mit Stop in Lübeck
Anbindung Skandinaviens an Nordeuropa durch "Europakorridor"

Eine Brücke ber den Fehmarnbelt ist eine der Möglichkeiten, um Skandinavien an Deutschland anzubinden.; Zeichnung: privat
Mikael Stamming schwärmte:Skandinavien und Nordeuropa, das sei die globale lokale Region der Zukunft, sagte der schwedische Geschäftsführer im Europakorridor AB und technisch Verantwortlicher des Projekts "Europakorridor" bei der Vorstellung des gleichnamigen Vereins vergangene Woche bei einem Pressetermin im Verwaltungszentrum Mühlentor der Hansestadt Lübeck. Globale lokale Region, das ist kein Wortspiel des Schweden, sondern die Erkenntnis, daß in der Region zwischen Stockholm und Hamburg mehr als 20 Millionen Menschen leben und es über eine Millionen Unternehmen gibt, die schon in naher Zukunft enger miteinander leben und arbeiten wollen.
Feste Beltquerung nötig
Sie wollten die "Zukunft promoten", sagten die Vereinsmitglieder, zu denen die Hansestadt Lübeck gehört. Die Vision sei, die Strecke Hamburg - Stockholm durch den Einsatz von Hochgeschwindigkeitszügen zu minimieren. Fahrzeiten von knapp viereinhalb Stunden seien auf dieser Verbindung denkbar. "Dadurch entsteht eine komplett neue Geographie", sagte Stamming. Voraussetzung dafür ist allerdings eine feste Querung des Fehmarnbelts. Das könnte entweder ein Tunnel oder aber eine Brücke sein.
Entscheidung Ende 2002
Ob es jemals dazu kommt, wird derzeit geprüft. Manfred Hartwig vom Verkehrsministerium des Landes sagte, momentan werde ermittelt, ob die Querung privatwirtschaftlich mach- bar sei. Bauunternehmen und Financiers seien gerade dabei, verschiedene technische und finanzielle Lösungen zu erarbeiten. Voraussichtlich im April 2002 würden dem Verkehrsministerium Ergebnisse vorliegen und bis Ende 2002 werde gemeinsam mit den dänischen Kollegen entschieden, ob eine Brücke oder ein Tunnel gebaut würden oder aber alles so bliebe wie bislang.
Entscheide man sich allerdings, die Querung nicht zu bauen, dann sei der Zeitverlust durch den Fähreneinsatz enorm: In der Zeit, die Schiffe brauchten, um von Küste zu Küste zu fahren, führen Hochgeschwindigkeitszüge Strecken von bis zu 300 Kilometern.
Die Idee, Skandinavien und Nordeuropa durch Hochgeschwindigkeitszüge zu verbinden, hat sowohl umweltpolitische als auch wirtschaftliche Gründe:Dem Transport von Gütern auf der Straße seien in absehbarer Zeit Grenzen gesetzt:Immer mehr Lkw führten zu immer größeren Staus, verlangsamten den Transport, verschmutzten die Umwelt durch Abgase, führten zu immer mehr Unfällen und zu noch größerer Beschädigung der Straßen. Daher müßten Güter verstärkt per Bahn transportiert werden. Einige Unternehmen in Schweden hätten angesichts des wachstumsbegrenzenden Lkw-Transports bereits umgesteuert:So wolle IKEAbis 2010 gut 50 Prozent seines Transportvolumens über die Schiene abwickeln.




