Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 20. November 2001

Frauen in Not...

Notruf steht in Krisen zur Seite

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Vergewaltigung, Nötigung, Telefonterror - die Formen sexualisierter Gewalt sind vielfältig. Frauen und Mädchen, die Opfer dieser Gewalt werden, haben oft ein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen: sie kriegen nachts kein Auge zu, sind depressiv, verletzen sich mit Messer und Schere oder bekommen ihr Leben, den Alltag, einfach nicht auf die Reihe. Catherina Strutz-Hauch und ihr Team stehen diesen Frauen und Mädchen zur Seite - vorausgesetzt, sie suchen Hilfe beim Notruf. Der Notruf, der seit 1989 in der Hansestadt besteht und städtisch gefördert wird, berät und begleitet die Betreffenden in Krisensituationen.

In Deutschland werden nach Schätzungen des Bundeskriminalamtes jährlich rund 200 000 bis 300 000 Kinder sexuell ausgebeutet. Pro Jahr werden rund 10 000 Vergewaltigungen angezeigt. In Lübeck sind 1999 laut Kriminalstatistik138 sexuelle Straftaten angezeigt worden, im vergangenen Jahr waren es 310. Melden sich die Opfer beim Notruf, versuchen die sieben Mitarbeiterinnen (vier Planstellen) ihnen zu helfen. Im Durchschnitt hat die Einrichtung 600 Kontakte pro Jahr, das entsprach im vergangenen Jahr 140 hilfesuchenden Frauen.

Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor ein Thema, das verharmlost wird. In der Sprache spiegelt sich das wider, wenn zum Beispiel vom Sittenstrolch und vom Triebtäter die Rede ist. "Wenn man sagt, ein Kind wurde mißbraucht, dann schließt das einen Gebrauch von Kindern ein", sagt Sibylle Ruschmeier, ebenfalls Mitarbeiterin des Notrufs.

Beratung für Männer fehlt

Zwar ist das Versorgungsnetz für von sexualisierter Gewalt betroffener Frauen in der Hansestadt Lübeck gut ausgebaut. Doch: "Es gibt keine Fachberatungsstelle für Männer, die Gewalt ausüben und von sexualisierter Gewalt betroffen sind", kritisiert Strutz-Hauch. Es gebe zudem zu wenig Pädagogen, die mit Jungen arbeiten.

Telefonisch ist der Notruf unter 70 46 40 zu erreichen, über e-Mail unter kontakt@frauennotruf-luebeck.de. Wer sich informieren will, geht am besten ins Netz:

@ www.frauennotruf-luebeck.de

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