Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 27. November 2001

Kritiker der Gesellschaft

Kammerspiele bringen G.B. Shaws "Haus Herzenstod"

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Szenenbild aus dem Stück "Nero" mit Anna Magdalena Fitzi (Carmen) und Silvio Caha (Johnny); Foto: TL

Der November ist ein Monat der Premieren im Theater Lübeck. Nach dem schönen Weihnachtsmärchen "Pinocchio", dem trivialen Zeitstück "Nero" und der romantischen "Rotkäppchen"-Oper kommt nun am Freitag, 30. November, in den Kammerspielen "Haus Herzenstod" (1920) von George Bernard Shaw heraus.

Der Untertitel von Haus Herzenstod lautet "Eine Phantasie englischer Themen nach russischer Manier" und verweist damit auf eine Vereinigung des Sarkasmus' des Autors von "Pygmalion" mit der Melancholie Tschechows - ein maximaler Gegensatz.

Die Personen dieses Stücks, eine "zornige Komödie", haben sich in eine unwirkliche Welt zurückgezogen. Menschen aus einer scheinbar längst vergessenen Zeit hängen ihren Träumen nach und haben den Sinn für die Realität verloren.

Doch George Bernhard Shaw widersteht der Versuchung, lediglich eine Elegie auf den Untergang des Bürgertums zu schreiben. Pointensicher konfrontiert er seine Personen mit der Realität; und er ist Moralist genug, auf die Werte zu verweisen, die eben jenes Bürgertum einst selbst aufgestellt hat.

Im Landhaus des Kapitäns Shotover findet sich im September 1914 eine Gesellschaft zusammen, deren Wertebegriffe zerbröckelt sind. Ariadne, die verstoßene jüngere Tochter des Kapitäns, und ihr in sie verliebter Schwager Randall erscheinen unvermittelt, brechen ein in das Leben ihrer Schwester Hesione und deren zu harmlosen Eskapaden neigenden Mannes Hector. Hesione erwartet die junge Ellie Dunn, deren Vater und den Industriellen Mangan.

Vater wird benutzt

Dunns halten Mangan für ihren Wohltäter, und Ellie ist sogar bereit, ihn zu heiraten, obwohl sie sich in einen gewissen Marcus verliebt hat.

Aber jetzt entdeckt sie nicht nur, daß dieser Marcus in Wirklichkeit Hector ist, sondern auch, daß Mangan ihren Vater als Werkzeug für seine Spekulationen benutzt. Als auch noch ein Einbrecher auftaucht, spitzt sich die Situation in dieser Konversationskomödie zu.

An der Beckergrube geben Regisseur Horst Hawemann und Ausstatterin Marina Hellmann ihre Visitenkarte ab. Es spielen unter anderen Sylvia Habermann, Hannelore Telloke, Saskia von Winterfeld, Heidi Züger, Volkmar Bendig, Mario Gremlich, Rainer Luxem, Dietrich Neumann, Neven Nöthig und Sven Simon.

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