Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 27. November 2001

Hausbau in der Hansezeit

Bereich Archäologie veröffentlicht Ergebnisse des Kolloquiums Stadtarchäologie

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Kultursenator Ulrich Meyenborg und Dr. Manfred Gläser mit einem der ersten Exemplare des Buches.; Foto: C. Kautz

875 Seiten stark ist das Buch, das Kultursenator Ulrich Meyenborg und Dr. Manfred Gläser jetzt präsentierten.

Die Neuerscheinung mit dem Titel "Lübecker Kolloquium zur Stadtarchäologie im Hanseraum - Der Hausbau" faßt die Ergebnisse einer Gruppe nordeuropäischer Wissenschaftler zusammen, die sich im Jahr 1999 zu einem Kolloquium in Lübeck trafen.

Die Forscher aus 14 Ländern des früheren Hanseraums treffen sich regelmäßig, inzwischen zum vierten Mal, in Lübeck, um ihre Forschungsergebnisse auszutauschen. Thema im Jahr 2001 war die mittelalterliche Infrastruktur, vor zwei Jahren hatte der Hausbau im Mittelpunkt des Kolloquiums gestanden.

Blick über die Stadtmauer

Lübecks Rolle als europäisches Zentrum der Stadtarchäologie ist in Fachkreisen anerkannt. Fast ein halbes Jahrhundert hatte die Hansestadt nach ihrer Gründung im Jahr 1143 eine Monopolstellung, der Handel nach Skandinavien, in das Baltikum und in die slawischen Gebiete mußte über Lübeck abgewickelt werden. Nicht nur daß in der Hansestadt fast jeder Quadratmeter Geschichts-trächtiges verbirgt, die Entstehung der Stadt gilt auch als umfassend erforscht und detailliert dokumentiert.

Erst der Blick über die eigenen Stadtmauern hinaus läßt die Verbreitung von Bauweisen und deren unterschiedliche Ausprägung in den verschiedenen Regionen erkennen.

Durch die 45 Beiträge zum Thema Hausbau bietet das Buch eine einmalige Zusammenfassung der Entdeckungen und Entwicklungen im hanseatischen Wirtschaftsraum, der nach Definition der Wissenschaftler von Cork in Irland im Westen bis Nowgorod im Osten, von Bergen im Norden bis nach Einbeck oder Göttigen im Süden reichte.

So finden sich mittelalterliche Holzbauten schon im 8. Jahrhundert in Hamburg, im 9. Jahrhundert dann in Braunschweig, Lüneburg oder Bremen, erst im 10. und 11. Jahrhundert im dänischen Aarhus.

Typisches Hansehaus?

Pfostenbauten mit Riegeln dagegen finden ihren Weg von Visby (8./9. Jahrhundert) nach Antwerpen oder Stade, wo sie im 11. Jahrhundert auftauchen. Erst im 12. Jahrhundert wird diese Technik in Lübeck verwendet. Keine Antwort gibt es auf die Frage, wie das typische Haus des Hanseraumes ausgesehen haben mag. Die Impulse gingen oft von Lübeck aus. Sowohl der Kemenatenbau, als auch das Dielenhaus verbreiteten sich von Lübeck über Rostock nach Stralsund, nach Greifswald und Danzig, Elbing, Riga und Reval.

Was es allerdings mit den Steinwerken der Bojaren in Nowgorod auf sich hat, bleibt zumindest vorläufig ein Geheimnis. Das Buch, von dem nur 500 Exemplare gedruckt wurden, ist für 98 Mark erhältlich.

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