Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 15. Januar 2002

Ausgezeichnetes Wohnen

Aegidienhof bekommt Förderpreis "Nachhaltigkeit in Schleswig-Holstein"

2090601.jpg
Babett, Mira und Severing Büttner gehören zu den neuen Bewohnern des Aegidienhofes. Fotos: N. Neubauer

Kaum ist das Marli-Café im Aegidienhof eröffnet, ist es schon proppenvoll. Männer und Frauen sitzen und reden, einige löffeln ihre Mittagspausen-Suppe und die Bedienung Michaela Wendt hat alle Hände voll zu tun. "Sind Sie zufrieden? Haben Sie einen weiteren Wunsch?", fragt die 24jährige die Gäste. Im Marli-Café bedienen 13 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, fünf von ihnen sind Behindert. Michaela Wendt ist eine von ihnen.

Der Aegidienhof und mit ihm das Marli-Café als Teil dessen hat am Freitag den Förderpreis "Nachhaltigkeit in Schleswig-Holstein" des Vereins Zukunftsfähiges Schleswig-Holstein - Förderverein der Umweltakademie bekommen. Bei einer Feierstunde in der Aegidienkirche wurde er Vertretern der Aegidienhofgesellschaft von Klaus Backheuer, Vorsitzender des Vereins Nachhaltigkeit in Schleswig-Holstein, und Erich Schirmer, Umweltdezernent in Kiel, übergeben. Zahlreiche Bewohner des neuen Komplexes sowie Bürgermeister Bernd Saxe waren zu der Feier gekommen.

Die Jury hatte den Aegidienhof aus 16 Vorschlägen als Gewinner des Wettbewerbs ausgewählt, weil er in vorbildlicher Weise Denkmalschutz und ökologisches Bauen, Wohnen und Arbeiten im Sinne der Agenda 21 vereine. Er bringe Alt und Jung zusammen und praktiziere Partizipation durch selbstbestimmtes Planen und Wohnen. Der Preis, der zum ersten Mal verliehen wurde, ist mit 1000 Euro dotiert.

"Die Verwaltung konnte wegweisende Projekte auf den Weg bringen", sagte Bürgermeister Bernd Saxe in seiner Rede und führte etwa den Hochschulstadtteil an. Der Agenda 21-Prozeß sei jedoch nicht allein eine Angelegenheit der Verwaltung, sondern eine gesamtgesellschaftliche. Die Agenda 21 spare eine Seite aus: "Wir sind auch in finanzieller Hinsicht verantwortlich", betonte er und plädierte für eine Politik der finanziellen Nachhaltigkeit. "Wir können heutige Probleme nicht auf Pump auf die Wege bringen. Kommende Generationen haben die Konsequenzen zu tragen." Wenn Kommunen das Zentrum im Agenda 21-Prozeß sein sollen, so Saxe, müßten Land, Bund und EU die Mittel für die nötigen Institutionen zur Verfügung stellen.

Klaus Backheuer warnte davor, daß sich Städte aus dem Agenda 21-Prozeß verabschiedeten. "Wenn größere Städte nicht bereit sind, den Prozeß zu unterstützen, dann werden kleinere gar nicht erst anfangen, sich zu engagieren." Erich Schirmer hob im Anschluß die Leistungen der Preisträger hervor, zusammen mit Backheuer überreichte er den Preis sowie fünf Anerkennungspreise, einer davon ging ebenfalls an ein Lübecker Projekt: Das Info-Zentrum "Eine Welt" erhielt ihn für die Aktion "Fairer Handel - Blumen". Bevor sich die Gäste durch den Aegidienhof führen ließen, gab es zunächst einen Imbiß im Marli-Café, wo Michaela Wendt mit ihren Kollegen wartete.

Der Aegidienhof ist ein Komplex aus zwölf Häusern, in dem früher das Sozialamt untergebracht war. Die meisten der 65 Einheiten gehören den rund 50 Eigentümern. Die 75 Menschen, darunter Alleinerziehende, Singles, Familien, Paare, Rollstuhlfahrer, Behinderte, leben und arbeiten zum Teil auch hier.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de