Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 05. Februar 2002

Sparen: Frauen legen drauf

Podiumsdiskussion zum Doppelhaushalt im Rathaus

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Sparen ziehen Frauen den kürzeren?; Foto: N. Neubauer

Kinder wegbringen, arbeiten, einkaufen, wieder ins Büro, Kinder abholen, dann auf den Spielplatz, nein geht nicht - der ist verdreckt und die Schaukel kaputt - , nach Hause, kochen, putzen... Daß Beruf und Familie schwer unter einen Hut zu kriegen sind, ist nichts Neues. Ein Blick in den Doppelhaushalt 2002 /2003 der Hansestadt läßt vermuten, daß das Leben für Frauen nicht leichter wird.

Das jedenfalls befürchten die Frauen und Männer, die zu der Podiumsdiskussion "Sparpolitik der Hansestadt - sind Frauen die Leidtragenden?" am vergangenen Donnerstag ins Rathaus kamen. Das Expertinnen-Netzwerk hatte eingeladen, rund 70 Frauen plus eine Handvoll Männer waren in den Audienzsaal gekommen, um zu hören, was die Fraktionsvorsitzenden dazu zu sagen haben.

Frauenbeauftragte Gisela Heinrich gab zunächst einen Überblick zu den geplanten Ein-sparungen. So stehe nach ihren Angaben unter anderem die städtische Schwangerschaftskonfliktberatung zur Disposition. "Rund 600 Beratungen wurden dort im vergangenen Jahr durchgeführt, darunter 242 Schwangerschaftskonfliktberatungen, 238 Beratungen im Zusammenhang mit der Bundesstiftung Mutter und Kind." 42 000 Euro sollen mit der Schließung eingespart werden, es stehe aber zu befürchten, daß Schwangere statt Stiftungsgelder Beihilfen beim Sozialamt beantragten - ein kontraproduktives Unternehmen also. Das Weiterbestehen der Prostituiertenberatung, wo sich Frauen über sexuell übertragbare Krankheiten informieren, steht ebenfalls auf der Kippe. Die Schließung von Stadtteilbibliotheken treffe vor allem das weibliche Geschlecht: "Sind weite Wege zur Bücherei zurückzulegen, brauchen Kinder Begleitung - das sind in aller Regel Mütter."

Beim Personal sollen rund 2,5 bis 3 Millionen Euro eingespart werden. "Bisher hatten wir eine steigende Frauenquote im öffentlichen Dienst, das wird sich verschlechtern", meint Gisela Heinrich.

Was die Schließung des Kommunalen Kinos angeht, so würden auch in diesem Bereich vor allem Frauen den Kürzeren ziehen: 65 Prozent Besucherinnen hat das Kino in der Mengstraße. Unklar ist, ob die Verbraucherzentrale weiterhin mit 8000 Euro unterstützt wird. Macht das Angebot dicht - in Schleswig-Holstein gibt es mit der Lübecker Filiale gerade noch fünf -, bezahlten Frauen die Zeche. "Die Kundschaft besteht zu einem großen Anteil aus Frauen."

Was die Betreuung des Nachwuchses angeht, so hat die Bürgerschaft bereits die Betreute Grundschule gesichert. Zudem sollen die freien Erzieherinnenstellen in den Kindergärten in Kürze besetzt werden.

SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Hiller-Ohm versicherte außerdem: "Im Jugend- und Kita-Bereich wollen wir keine Ein-sparungen", im Gegenteil, sie wolle sich dafür einsetzen,

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