Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 05. Februar 2002

Trommeln für Pfeifen

Sammelaktion für Orgel in Johanneum

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Die alten Pfeifen warten auf bessere Zeiten. Foto: N. Neubauer

Keine zwei Wochen ist es her, da feierte Ulrike Traub mit Vertretern der Hansestadt, Schülern, Lehrern und Eltern die Einweihung der renovierten Aula des Johanneums, für deren Instandsetzung sie sich mit anderen zusammen anderthalb Jahre stark gemacht hatte. Das Werk ist vollbracht. Die Aula frisch renoviert. Jetzt steht die Vorsitzende der Abteilung Musik am Johanneum und Mutter von fünf Kindern, allesamt Schüler des Johanneums, wieder bei potentiellen Spendern auf der Matte: Diesmal geht es um Pfeifen, um die einer Orgel.

Aus dem letzten Loch

"Als wir von der Musikabteilung anfingen, Geld für die Aula zu sammeln, haben alle gesagt, das schafft ihr nie. Jetzt sagen sie das wieder - und wir schaffen es wieder", ist sie sich sicher. "Man hat es bei der Einweihungsfeier der Aula ja gesehen - was fehlt, ist eine Orgel. Aula und Orgel gehören zusammen!"

Im vergangenen Sommer hatte das Johanneum noch eine. Das aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammende Instrument, war im Laufe der Zeit erweitert, zerstückelt worden, in die Jahre gekommen - bis es aus dem letzten Loch pfiff. Im vergangenen Jahr wurde die Orgel schließlich abgebaut, ein Teil der Pfeifen lagert auf dem Dachboden des Gymnasiums. Das heißt bestimmte Register sind noch brauchbar und könnten in eine neue Orgel integriert werden.

Den Nachwuchs fördern

Lübeck ist eine Orgelstadt. Der Dom hat eine, die MarienKirche sowieso. Müssen da auch noch welche in den Schulen stehen? Ulrike Traub meint ja und hat Argumente: "Die jungen Leute gehen selten in die Kirche. Wie sollen sie an das Instrument herangeführt werden, wenn sie es kaum hören? Wer soll die Orgeln im Land bespielen, wenn der Nachwuchs nicht gefördert wird?" Mit einer Orgel in der Schule könnten einerseits begabte Schüler gefördert und andererseits jene, die mit Musik wenig am Hut haben, auf den Geschmack gebracht werden. Zudem:Musizieren im Verbund fördert die Konzentrationsfähigkeit und die Gemeinschaftsfähigkeit bei den Schülern.

Am Lehrpersonal scheitert das Projekt jedenfalls nicht. Denn der Musiklehrer und Leiter des Sinfonieorchesters, Heinz Arlt, ist Organist und wartet schon lange auf eine Orgel. "Der Saal hat eine wunderbare Akustik", sagt er.

Erste erfolgversprechende Schritte sind gemacht. Für eine neue Orgel sammelte ein Förderkreis in den vergangenen vier Monaten bereits 15 000 Euro. Der Verein ehemaliger Schüler und der Freunde des Johanneums spendete, zudem kamen beträchtliche Summen mit dem symbolischen Verkauf von Stühlen und Orgelpfeifen zusammen. Derzeit verkauft Ulrike Traub bei Konzerten Lesezeichen mit einem aus dem Johanneum stammenden Motiv - einer Eule.

Auch wenn 15 000 Euro eine stattliche Summe ist, es ist erst ein Zehntel des benötigten Betrages. Zwischen 150 000 und 200 000 Euro sind für die Orgel vonnöten. Aber Ulrike Traub ist  tapfer: "Ich bin optimistisch, wir schaffen das."

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