Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 23. April 2002

Gebrannte Größe neu entdecken

Wege zur Backsteingotik beginnen in Lübeck: Ausstellungseröffnung im Rathaus

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Der wuchtige, massive Backsteinbau des Holstentors ist der Inbegriff der Macht, die die Hanse einmal inne hatte; Fotos: N. Neubauer

"Wir hätten gut und gern ein halbes Jahr länger Zeit gebraucht", sagt Dr. Brigitte Heise, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Jetzt darf sie bald aufatmen. In den vergangenen fünf Monaten arbeiteten Bauarbeiter und Museumsangestellte auf Hochtouren, um den Kraftakt, das Innere des Holstentors zu sanieren und mit einer neuen Ausstellung zu präsentieren, zu bewerkstelligen.

Am Sonntag ist es nun geschafft. Dann öffnet das Lübecker Wahrzeichen wieder seine Türen. Mit einem Festakt im Audienzsaal, zu dem unter anderem Ministerpräsidentin Heide Simonis und ihr Amtskollege aus Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Harald Ringstorff, erwartet werden, wird die Wiedereröffnung gefeiert.

Seit Jahren schon stand die Sanierung des wuchtigen Gemäuers sowie eine Überarbeitung der Ausstellung zur Debatte. Denn, wenn auch die meisten Touristen ohne dem Holstentor einen Besuch abzustatten nicht abreisten, lockte die seit 50 Jahren bestehende Ausstellung Lübecker und Lübeckerinnen kaum noch. Doch für eine Überholung oder gar neue Präsentation fehlte bislang das Geld.

Daß jetzt alles so schnell ging, ist einer Ausstellung zur Backsteingotik zu verdanken, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) initiierte. "Vor Jahren bereits entstand die Idee, etwas Entsprechendes zu `Straßen der Romanik' im Norden zu schaffen", sagt Dr. Ursula Schirmer, Pressesprecherin der Stiftung. Die Seewege miteinbeziehend entwickelte sich das Projekt "Wege zur Backsteingotik", an dem sich vier Städte Mecklenburg-Vorpommerns beteiligten. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Dr. Robert Knüppel und zugleich DSD-Geschäftsführer fand, ein solches Unternehmen dürfe nicht ohne Lübeck vonstatten gehen. Schließlich ist die Hansestadt die "Mutter der Hanse" - ein überzeugendes Argument. Mit rund einer Million Mark, die durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, weiteren Stiftungen und Unternehmen zusammenkamen, konnten Bauarbeiten und Gestaltung der Innenräume in Angriff genommen werden.

"Die Hanse - Macht des Handels" ist Teil der Ausstellung "Gebrannte Größe -Wege der Backsteingotik" (siehe Artikel unten). Es handelt sich um eine völlig neu konzipierte Präsentation, die das Zeug zu einem Publikumsmagneten hat und mehr als die bisher rund 62 000 jährlichen Besucher ins Holstentor ziehen könnte. "Wir zeigen das Wirken des lübschen Kaufmannes in der Stadt mit all seinen wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Aspekten", sagt Dr. Heise, die die Schau inhaltlich mitkonzipierte. Umgesetzt wurde das Konzept von der Hamburger Firma "Hand-Werk".

Daß künftig vermehrt Lübecker den Weg ins Holstentor finden, davon ist Museumsdirektor Dr. Thorsten Rodiek überzeugt: "Die Ausstellung regt an, die eigene Kultur neu zu entdecken. Lübeck und die Städte in Mecklenburg-Vorpommern werden ganz neu erlebbar." Zudem biete sie jenen Besuchern, die tiefer in die Geschichte der Hanse eintauchen möchten, über Bücher und Infotheken unaufdringlich die Gelegenheit dazu.

Die Präsentation in Lübeck wird als einzige über den 3. November hinaus als Dauerausstellung zu sehen sein. Langfristig soll sie erweitert werden, denn zwei der acht Räume im Holstentor bieten noch Platz.

Im nächsten Jahr wird das Holstentor erst einmal verpackt und mit einem Gerüst versehen: Die Sanierung der Außenfassade steht an.

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