Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 07. Mai 2002

Ein Regenbogen aus Holz

Jugendliche bauen riesiges Spielgerät zwischen Kanal und Falkenstraße

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So ähnlich - nur eben wesentlich größer - soll er aussehen, der Regenbogen zum Spielen. Im Hintergrund ist Ralf Schott vom Bereich Stadtgrün.; Foto: N. Neubauer

Einen Regenbogen zum Anfassen - den gibt es nicht. Schon gar nicht einen, an dem man hochklettern kann. In Lübeck wird das bald anders sein. Im Juli schon turnen Kinder und Jugendliche auf einem hölzernen Koloß zwischen Kanal und Falkenstraße herum. Am vergangenen Donnerstag stellten die Initiatoren ihr Vorhaben der Presse vor.

"Wir wollen mit dem Projekt Brücken schlagen", erläuterte Rolf Martin, Pastor in der Kirchengemeinde Kücknitz, den Hintergrund. Brücken schlagen zwischen entfremdeten Bevölkerungsgruppen - zwischen Schwarzen und Weißen, zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen. Um den Prozeß des Zusammenwachsens zu beschleunigen und Toleranz und Verständnis gegenüber anderen zu wecken, überlegte sich Pastor Martin mit einem brandenburgischen Kollegen, daß Jugendliche zusammen etwas schaffen und über die gemeinsame Arbeit sich näher kommen. Einen Regenbogen zu bauen lag quasi auf der Hand.

Vor vier Jahren entstand mit Jugendlichen aus Ost- und Westdeutschland sowie aus Südafrika der erste hölzerne Regenbogen in Soweto. Ein Jahr später bauten Jugendliche einen zweiten in Berlin auf einem ehemaligen Todesstreifen, es folgte ein weiterer in Oberasbach in Bayern und im vergangenen Jahr weihten Jugendliche einen in Albany in den Vereinigten Staaten ein. Nun bekommt Lübeck seinen Regenbogen. Zwei Dutzend Jugendliche zwischen 16 und 23 Jahren spucken von Ende Juni an in die Hände, um ihn innerhalb von drei Wochen auf der Freifläche zwischen KWLund dem früheren Toyota-Händler an der Falkenstraße zu zimmern.

Das Vorhaben ist bei verschiedenen Bereichen der Hansestadt auf offene Ohren gestoßen. So stand Anke Seeberger vom Agenda-21-Büro mit Rat und Tat zur Seite, um Fördermittel zu beantragen. "Das Projekt berührt in mehrfacher Weise die Inhalte der nachhaltigen Entwicklung. Es ist das erste in Lübeck, das den friedenspolitischen und entwicklungspolitischen Aspekt betrifft", sagte Anke Seeberger. Helga Martens, Bereich Jugendarbeit, ist ebenfalls begeistert: Mit dem Spielgerät auf der einen Seite des Kanals und der Skater-Anlage auf der anderen entstehe in der Stadt ein Spielzentrum für Kinder und Jugendliche.

"Unsere Zielsetzung ist, es solche Zentren punktuell hinzukriegen", sagte Martens. Daher habe sie gern beratend geholfen. Dritter im Bunde seitens der städtischen Unterstützung ist Ralf Schott vom Bereich Stadtgrün, der die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, daß die Jugendlichen bald loslegen können. "Das war eine Brachanlage, die sowieso hergerichtet werden mußte."

Ende Juni nun werden die Jugendlichen aus Südafrika, den Vereinigten Staaten und aus dem Kreis Niederer-Fläming in Brandenburg anreisen und mit Lübeckern zusammen drei Wochen lang Robinien zu einem fünf Meter hohen und 15 Meter langen Regenbogen verarbeiten. Das Gerät wird eine Brücke, eine Rutsche und Netze zum Klettern integrieren. Unterstützung bekommen die jungen Handwerker dabei von Klaus-Peter Gust und Claudia Gust, Inhaber der Firma Sik-Holz aus Brandenburg. Klaus-Peter Gust ist es auch, der das Spielgerät erfunden hat und das 56 000 Euro teure Vorhaben zu großen Teilen sponsert.

Eine Arche soll von Anfang Juni an durch die Hansestadt ziehen und auf das "rainbow-project" aufmerksam machen. Zunächst steht das schiffsförmige Spielgerät in Kücknitz auf dem Kirchenplatz, dann auf dem Koberg und schließlich auf dem Schrangen. Geplant ist zudem ein Begleitprogramm für Kinder am Bauplatz des Regenbogens, zu dem das Diakonische Werk Kindertagesstätten einlädt. Am 20. Juli soll es vollbracht sein: Dann steht ein Fest mit den Sponsoren auf dem Programm, am folgenden Tag dann ein Einweihungsgottesdienst im Dom.

Sponsoren gesucht

Wer das Projekt, dessen Schirmherrschaft die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, Ministerpräsidentin Heide Simonis und Ministerpräsident Manfred Stolpe übernommen haben, unterstützen will, darf das gerne tun und sich an Pastor Rolf Martin unter der Rufnummer 30 31 70 wenden: Es werden noch Sponsoren gesucht.

Informationen finden sich auch im weltweiten Netz:

http://www.rainbow-project.de

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