Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 02. Juli 2002

Sparen mit geschlechter-gerechterem Handeln

Deutscher Städtetag: Entscheidungen müssen weiblicher werden

Verwaltungsentscheidungen müssen "weiblicher" werden. Das fordert der Deutsche Städtetag in einer Pressemitteilung. Städte könnten Geld sparen und zugleich die Qualität ihrer Dienstleistungen verbessern. Die Strategie dazu heißt "Gender Mainstreaming", ein englischer Ausdruck, der sich nur schwer ins Deutsche übersetzen läßt und "geschlechter-gerechteres Verwaltungshandeln" meint. Genau das will der Deutsche Städtetag nun in seinen Gremien umsetzen. "Mit ,Gender Mainstreaming' wollen wir einen
geschlechter-gerechteren Blickwinkel in die Facharbeit einführen und die Qualität unserer kommunalpolitischen Arbeit erhöhen", so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Dr. Stephan Articus.

Durch Gender-Beauftragte, die gleichzeitig Fachleute in bestimmten Bereichen sind, solle Frauen- und Fachpolitik verzahnt werden. Die Frauenpolitik stehe oft isoliert neben der Fachpolitik, so daß es schwer falle, Fraueninteressen in einzelne Politikbereiche zu tragen. Viele Bereiche, die als geschlechtsneutral gelten, seien es bei Prüfung gar nicht.

So würden beispielsweise kommunal geförderte Sportanlagen zu 70 Prozent von Männern genutzt. Der Grund: Die Anlagen sind eher auf Sportarten zugeschnitten, die Jungen bevorzugen, wie beispielsweise Fußball oder Basketball. Mädchen würden oft lieber turnen oder Tennis spielen. "Würden die Verwaltungen schon bei den Planungen die unterschiedlichen Bedürfnisse berücksichtigen, bräuchte man im Nachhinein keine teuren Korrekturen", sagte Articus.

Zahlreiche Städte setzen diese Strategie in ihren Verwaltungen um. Die Kommunen trainieren ihre Führungskräfte auf einen veränderten Blickwinkel und stellen Checklisten auf. Dabei soll "Gender Mainstreaming" eine ergänzende Methode zur bisherigen Praxis der Frauenförderung sein.

"Gender Mainstreaming steckt in Lübeck noch in den Kinderschuhen", sagt Frauenbeauftragte Elke Sasse. Derzeit erarbeite das Frauenbüro ein Konzept, das im Oktober in die Bürgerschaft zur Abstimmung gebracht werden soll. Sie hofft, daß der Verwaltungschef die Strategie unterstützt. "Wenn sie nicht von oben gewollt ist, dann bringt es nichts." GenderMainstreaming könne sich langfristig sonst nicht durchsetzen.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de