Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 02. Juli 2002

Über den Tellerrand geschaut

22. Hansetag der Neuzeit in Brügge - Delegierte informieren sich

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Brügge ist die Kulturhauptstadt Europas 2002 - der Martkplatz läßt die Schönheit der Stadt erahnen.; Fotos: M. Langentepe

Es war 16.28 Uhr als Bürgermeister Bernd Saxe am vergangenen Donnerstag in der vor wenigen Monaten eröffneten neuen Konzerthalle von Brügge den 22. Hansetag der Neuzeit eröffnete. Brügges Bürgermeister Patrick Moenaert hatte zuvor in seiner Rede betont, daß der hanseatische Gedanke weiterbestehe. "Wer Wirtschaft und Handel sät, erntet Kultur", sagte er mit Hinweis auf Brügges Rolle als Kulturhauptstadt Europas 2002. Trotz der heutigen modernen Techniken sei es nach wie vor wichtig, den direkten Kontakt zu den Menschen zu suchen. So wie das eben bei dem Hansetag möglich ist.

In seiner Rede lud Bürgermeister Bernd Saxe die Delegierten dazu ein, eine Diskussion darüber zu eröffnen, welche Rolle die einzelnen Städte im "Europa der Nationen" spielen könnten. "Menschen, die miteinander sprechen und in kulturellem Austausch stehen, die schießen nicht aufeinander", führte Saxe aus.

Im Anschluß an die Eröffnungsfeier lud Bürgermeister Moenaert Gäste aus den anwesenden Hansestädten zu einem Empfang ins Rathaus ein. Im gotischen Saal, dem ältesten Teil des Rathauses, ist an den Wänden noch gut die Größe des einstigen Kontors Brügge zu sehen: Große Gemälde mit Schilderungen der damaligen Handwerkszunft und Handelsszenen, allesamt mit deutschen (Bild-) Unterschriften zieren diesen beeindruckenden Raum, der heute als Museum genutzt wird. Im Mittelalter war Brügge, gut 50 000 Einwohner zählend, genauso groß wie die heutigen Weltstädte London oder Paris.

Wie die Bürgermeister Saxe und Moenaert bei der Eröffnung des Hansetages hervorgehoben hatten, geht es bei den Hansetagen der Neuzeit auch um Austausch und Kontakt: So besichtigten die Delegationen von SPD (Peter Reinhardt und Frank-Thomas Gaulin) und CDU(Roswitha Kaske und Adelheid Oldenburg) während ihres Aufenthaltes in Belgien zum Beispiel den Seehafen von Brügge in Zeebrugge an der Nordseeküste.

Hafen besichtigt

Das Areal, spezialisiert auf Autoverladung, RoRo, Südfrüchte, Erdgas und Papier, hat einen jährlichen Umschlag von 35,5 Millionen Tonnen (im Jahr 2000) - zum Vergleich: Lübeck hat einen Umschlag von 25 Millionen Tonnen. Zeebrugge hat den größten Autoverladehafen Europas. Bremerhaven, jahrelang die Nummer 1 ist von den Belgiern abgelöst worden.

Angetan waren die Lübecker Politiker auch von dem Straßenbild in Brügge.Ein Stadtrundgang ist dort nämlich ziemlich entspannend, zumal kaum ein Hundehaufen dem Spaziergänger die Tour vermaledeit. 50 Euro müssen Hundehalter berappen, wenn sie die Haufen ihrer Vierbeiner nicht beseitigen.

"Wir putzen"

In Punkto Sauberkeit gibt es noch etwas zu berichten aus Brügge: In der Altstadt sieht man keinerlei Farbschmierereien an den Hausfassaden. Auf die Frage, wie das Erfolgsrezept dazu laute, antwortete Brügges Bürgermeister lapidar: "Wir putzen!"

Wohnen bei Gastfamilien

Auch der Nachwuchs hat die Tage in Belgien genutzt, sich auszutauschen und den Kontakt zu pflegen, beziehungsweise Pläne geschmiedet, wie dieser noch intensiviert werden kann. Angesichts der geringen Bereitschaft etlicher Hansestädte, ihren Jugenddelegierten die Teilnahme an der Hansetagen zu ermöglichen, hat die Delegiertenversammlung der Jugendhanse beschlossen, eine "schwarze Liste" zusammen-
zustellen, die dann im nächsten Jahr beim gemeinsamen Hansetag in Frankfurt/Oder und Slubice (die polnische Schwesterstadt von Frankfurt auf der anderen Seite der Oder) vorgelegt werden soll.

Die Jugenddelegierten wünschen sich außerdem künftig in Gastfamilien untergebracht zu werden, um so einen stärkeren Bezug zur jeweiligen Gastgeberstadt zu erhalten.

Der Lübecker Jan Lindenau wurde übrigens in seinem Amt als Vormann der Jugendhanse bestätigt. Seine Amtszeit dauert damit noch bis 2004.

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