Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 22. September 2019

Ausgabe vom 06. August 2002

Italien kein Vorbild

Venedig verlangt von Touristen Eintritt - Idee kommt in Lübeck nur bei Grünen an

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Von einer Gebühr für Touristen halten die wenigsten etwas. Sie vertreibe Besucher, fürchten Kritiker; Foto: N. Neubauer

Städte wie Venedig und Florenz kassieren seit diesem Jahr eine Gebühr von Touristen: Der Wegezoll beträgt in Venedig beispielsweise 135 Euro für Touristenbusse, die Gebühren an den Bootsanlegern der Lagunenstadt liegen seit diesem Jahr bei 20 Euro. In Florenz muß jeder Bus, der in Richtung Altstadt steuert, 150 Euro zahlen und es ist in manchen Städten geplant, künftig auch private Autofahrer zur Kasse zu bitten. Ziel ist es zum einen, über das Eintrittsgeld den Touristen eine saubere Stadt zu bieten. Zum anderen soll der Zufluß der Touristen gesteuert werden. Wer etwa mit dem Zug in die Stadt reist, bezahlt in Venedig keinen Cent, um sich auf dem Canal Grande von der Gondel aus die Stadt anzuschauen. Billiger wird es für jene Besucher, die ihre Reise dezidiert planen und ihre Pläne - wann besuchen sie welche Kirche und welches Museum - via Internet ankündigen.

Die Idee des Wegezolls kommt in Lübeck nicht gut an. Fast durch die Bank ist man sich in Politik und Verwaltung einig, daß ein solcher Eintritt kontraproduktiv wäre, weil er die Touristen verschreckte. "Wir würden davon auf jeden Fall abraten", sagt Doris Schütz, Pressesprecherin der Lübeck und Travemünde Tourist-Service GmbH. "Der Städtetourismus boomt, die Besucher wollen Kultur erleben. Wenn man Städtereisen mit einer solchen Ausgabe verbindet, bleiben die Touristen womöglich weg."

Wirtschaftsfaktor Tourismus

Zudem fürchtet Schütz, daß Reiseveranstalter, gäbe es eine solche Gebühr, Lübeck nicht mehr in ihr Programm aufnehmen würden. "Denn die rechnen mit spitzem Bleistift." Das Argument, Touristen bringen nicht nur Kassen zum Klingeln, sondern verursachten der Kommune Kosten wie etwa die für die Straßenreinigung, zähle für sie nicht. "Die heimische Gastronomie lebt vom Tourismus, der ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Lübeck ist. Ein Teil der Einnahmen fließt ja zurück an die Kommune." Schließlich zahlten die Unternehmer ja Steuern. Berechnungen nach läßt ihren Angaben zufolge ein Tagestourist im Durchschnitt 25 Euro in der Hansestadt Lübeck, zehn gibt er davon für die Gastronomie aus, 25 setzt er im Einzelhandel um oder für Diensleistungen. CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Puschaddel hält ebenfalls nichts von einem Wegezoll. "Die Hansestadt Lübeck muß als Weltkulturerbestadt alles dafür tun, um für Touristen attraktiver zu werden", sagt er. "Eine solche Gebühr würde einen fremdenfeindlichen Eindruck machen." Um den Tourismus zu fördern, schlägt er vor, das Stadtmarketing finanziell besser auszustatten und besser zu organisieren. "Wir sollten Touristen willkommen heißen und nicht abzocken."

Hoher Verwaltungsaufwand

Oliver Groth, Referent des Bürgermeisters, hält von dem Vorstoß der Italiener wenig. Auch er fürchtet, daß Besucher aus Lübeck vergrault werden und eine Reise nach Rostock vorzögen. Den Gedanken über eine solche Einnahme, den Fluß der Touristen zu steuern, hält er für wenig praktikabel: "Der Verwaltungsaufwand wäre sicherlich zu hoch."

Rudolf Lichtenhagen (SPD), Mitglied im Ausschuß für den Kurbetrieb, sieht das genauso. Der Travemünder, passionierter Wohnmobilist, der just aus Skandinavien zurückkehrte und sich am Wochenende zu einer Reise nach Mecklenburg-Vorpommern aufmachte, fürchtet, eine solche Gebühr ginge auf Kosten der Spontanität: "Ich will mich selber auch nicht steuern lassen. Spontan zu verreisen ist etwas, was ich auch anderen bieten will, die nach Lübeck kommen wollen." In Bergen, so berichtet Lichtenhagen, habe er kürzlich "Eintritt" zahlen müssen, was er ungern tat: "Ich zahle fürs Theater, fürs Kino oder für Sand World, aber Eintritt für eine Stadt? Man sollte aufhören, krampfhaft nach Einnahmen zu suchen für das Stadtsäckel und zu Lasten der Touristen."

Lieselotte von Holt von den Grünen und stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für den Kurbetrieb lehnt hingegen eine solche Gebühr nicht kategorisch ab: "So negativ finde ich das gar nicht, darüber kann man nachdenken. Zwei bis drei Euro pro Tourist sollten zu verkraften sein", meint von Holt.

Gebühr biete auch Vorteile

Die Gebühr dürfe nicht zu hoch sein, damit niemand verschreckt werde. Zwar sei die Idee bisher nicht bei den Grünen Thema gewesen, aber sie begrüße sie, zumal der Tourismus gesteuert werde. Touristen, die mit dem

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