Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 22. September 2019

Ausgabe vom 06. August 2002

"Wo bleibt die Verantwortung?"

Zur Verkehrsberuhigung und den Konsequenzen

Durch die Holstenstraßensperrung-Diskussion ist der Konflikt um die Altstadtsperrung für Autos wieder aufgeflammt. Was ich als Bürger dieser Stadt nicht verstehen kann, ist die Ignoranz des Bausenators gegenüber der Tatsache, daß seit Jahren der Leerstand von Geschäftsläden in zentraler Lage in der Innenstadt immer größer wird. Beispielsweise stehen in der ehemals so vielfältigen, gemütlichen und attraktiven Hüxstraße mittlerweile an die 20 Geschäfte leer. Ganz zu schweigen von der Großen Burgstraße und die Straße An der Untertrave, die teilweise schon ganz verödet sind. Sieht man sich das ehemalige Lehmensiek-Geschäftshaus, das Stadthaus, die alte Post am Markt, das ehemalige Gesundheitsamt in der Schmiedestraße oder das Haerder-Haus an, stellt man entweder Leerstand, Schmierereien und Müll fest oder neue Läden, deren Sortimentsniveau sehr weit unten liegt, um es vorsichtig auszudrücken. Und das an zentralster Stelle in Lübecks Innenstadt!

Die ehemaligen Beschäftigten in den jetzt nicht mehr existierenden Geschäften sind arbeitslos geworden und müssen sich um eine neue Arbeitsstelle bemühen, von denen es in Lübeck sehr wenige gibt.

Ist das den Sozialdemokraten und den Grünen und den Anwohnerinitiativen, die für eine verkehrsberuhigte Altstadt eintreten, egal? Wo ist die Verantwortung für diese Lübecker Bürger und Steuerzahler? Mit welchem Recht nehmen es "Verkehrsberuhiger" in Kauf, daß Menschen aufgrund der Altstadtsperrung ihren Arbeitsplatz verlieren? Mit welchem Recht wird Selbständigen ihr Geschäft in der Innenstadt kaputt gemacht, indem man die Kunden nicht mehr mit dem Auto in die Stadt läßt?

Es wird Leuten, die etwas aufbauen und anpacken wollen, vermiest, in die Selbständigkeit zu gehen, Arbeitsplätze zu schaffen und dadurch Steuern, Abgaben und Gebühren an die Stadt Lübeck zu zahlen. Ganz zu schweigen von den alteingesessenen Lübecker Geschäften. Auch diesen droht durch eine Altstadtsperrung die Geschäftsaufgabe, wenn sie nicht schon schließen mußten wie Lehmensiek, Haerder, Porzellan Berg und viele andere kleine Läden, die aber zusammen viele Arbeitsplätze geschaffen hatten.

Eine sinnvolle Verkehrsberuhigung soll es geben: Die kleinen Wohnstraßen und Gassen in der Altstadt sollen weiterhin gesperrt bleiben. Dort sollen nur Anwohner fahren und parken dürfen. Aber genauso, wie man das Interesse der Anwohner nach autofreien Straßen berücksichtigt, müssen die Hauptstraßen und Einkaufsstraßen wieder direkt und mit dem Auto erreichbar sein! Die Parkgebühren müssen herabgesetzt und es müssen einige kostenlose Parkplätze angeboten werden. Wenn das nicht bald geschieht, werden weitere Läden Pleite machen, noch mehr Geschäfte leerstehen. Die Lübecker Bürger und die Besucher und Touristen werden auf der grünen Wiese einkaufen und die Altstadt links liegen lassen.

Aber vielleicht ist das ja das Ziel der SPD, der Grünen und der Anwohnerinitiativen, die diese verkehrsberuhigte Altstadt wollen. Nur dann sollte das allen Lübeckern klar gesagt werden: Lübecks Altstadtinsel soll zur Museumsinsel werden! Eintritt: 1-2 Euro. Das wäre gut für die leere Stadtkasse. Doch wer will dann noch in die Innenstadt?

Marcus Bayer

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