Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 08. Oktober 2002

Frauenbetrieb

2. Lübecker Forum für Unternehmerinnen und Gründerinnen im Rathaus

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In Frauenhand: Carmen Lüttich hat sich vor wenigen Wochen mit der Mass-Schneiderei selbständig gemacht; Fotos: Neubauer

Der Geruch nach frischer Farbe trügt den Schein nicht. Erst vor knapp zwei Wochen hat Carmen Lüttich ihre Geschäftsräume in der Augustenstraße bezogen. Die Damen- und Herrenschneiderin ist mit ihrer "Mass-Schneiderei-Lübeck" frischgebackene Unternehmerin. Am Sonnabend, 12. Oktober, stellt sie neben 70 anderen Ausstellerinnen ihr Unternehmen beim 2. Lübecker Forum für Unternehmerinnen und Gründerinnen vor.

Jahrelang hatte die 33jährige als Angestellte genäht und geschneidert. Dann strukturierte der Geschäftsinhaber seinen Betrieb um, Lüttich stand auf der Straße. "Ich hatte die Wahl: Lübeck zu verlassen und mir anderswo eine Arbeitsstelle zu suchen oder mein eigenes Geschäft zu eröffnen."

Sie haderte nicht lang und ist nun Unternehmerin. Die Industrie- und Handelskammer geht von rund 5000 Unternehmen in Lübeck aus, von denen jedes fünfte in Frauenhand ist, das heißt, eine Frau Inhaberin oder Geschäftsführerin ist. Das weibliche Geschlecht ist meistens in bestimmten Branchen anzutreffen. So ist sein Anteil im Dienstleistungssektor und im Handel mit 50 Prozent vergleichsweise hoch.

"Zu Anfang weiß man gar nichts", berichtet Lüttich von den Anfangsschwierigkeiten. Sie war deshalb um so glücklicher, als sie von verschiedenen Seiten Hilfe bekam. Das Arbeitsamt stand etwa mit Rat zur Seite und informierte sie, welche Coaching- und Starterprogramme gefördert werden, die Handwerkskammer gab Tips zum Internet-auftritt und die Hansestadt Lübeck stand bei Anträgen zur Seite.

Nicht nur Hilfe

Doch der Schneiderin wiederfuhr nicht nur Unterstützung. "Bei einer Bank mußte ich mich dafür rechtfertigen, daß ich das Frauen-Netzwerk nutzen will." Die junge Geschäftsfrau zog ihre Konsequenz und nahm bei einem anderen Bankinstitut, bei dem die Gespräche sachlich blieben, den Kredit auf.

Um Unternehmerinnen und Existenzgründerinnen zu fördern, gibt es bei der Industrie- und Handelskammer in Kiel seit vier Jahren den Arbeitskreis "Frauen in der Wirtschaft".

"Wir setzen uns für Chancengleichheit ein", sagt Renate Ostergaard, Vorsitzende des Arbeitskreises. Denn Chancengleichheit, so die Unternehmerin, sei gerade in der Phase der Existenzgründungen oftmals nicht gegeben: "Frauen haben es schwieriger. Denn oft gehen sie mit einem niedrigeren Konzept in die Selbständigkeit", sagt Ostergaard und meint damit, daß die Kredite, die Frauen beantragten oftmals geringer seien, als die von Männern geforderten. "Mit Kleinkrediten geben sich Banken nicht gern ab." Ein weiteres Problem mit dem sich der Arbeitskreis beschäftigt, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - was nicht nur Frauen in der Wirtschaft betrifft, sondern auch Angestellte.

Unstrittig ist, daß die Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmerinnen ausbaufähig sind. Ein Schritt dazu ist "Frauen-Business - 2. Lübecker Forum für Unternehmerinnen und Gründerinnen". Die ganztägige Veranstaltung (10 bis 18 Uhr) des Frauenbüros der Hansestadt Lübeck und der Beauftragten für Chancengleichheit des Arbeitsamtes eröffnet am Sonnabend, 12. Oktober, Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel (CDU) im Rathaus.

Zahlreiche Ausstellerinnen unterschiedlichster Branchen sind vertreten. Auch die Wirtschaftsförderung Lübeck GmbH ist dabei und stellt den Wirtschaftsstandort Hansestadt Lübeck dar. Dazu gibt es Vorträge zu unterschiedlichen Themen zu hören. So geht es in einem um "Weibliche Erfolgsprinzipien", in einem anderen um "Alters- und Existenzsicherung für selbständige Frauen".

Weitere Informationen zu der Veranstaltung erteilt das Frauenbüro unter der Telefonnummer 122-16 01.

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