Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 14. April 1998

Kampf gegen häßliche Fetzen

Den wilden Plakatierern soll die Suppe versalzen werden

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Im Rahmen des StadtPflege Projekts werden die Schaltkästen in der Stadt von Plakatschichten befreit; Foto: M. Erz

Der Frühjahrsputz hat rechtzeitig zum Start in die Touristensaison begonnen: Das Projekt StadtPflege hat "Wildplakatierern" den Kampf angesagt. Denn nur, wer Plakatierungsaufträge an die Nordwestdeutsche Gesellschaft für Außenwerbung (NGA) richtet, darf an den von der Stadt genehmigten Standorten kleben.

Die NGA - beziehungsweise deren Vorgängerfirma - hat seit 1952 einen Werbevertrag mit der Hansestadt Lübeck und damit das Recht, gegen Geld an genehmigten Standorten wie Litfaßsäulen und Großtafeln Außenwerbung zu betreiben. Die Kommune erzielt damit Einnahmen.

Doch nicht alle, die werben wollen, sind bereit, Geld an die NGA zu zahlen. "Statt dessen wird häufig in Nacht- und Nebelaktionen geklebt, wo es nicht erlaubt ist", so Jürgen Lotzin, Geschäftsstellenleiter bei der NGA, "vor allem auf Schaufensterscheiben von nicht vermieteten Läden, auf Schaltkästen und Brückenwänden."

Die Plakate, die für Veranstaltungen werben, sind aber meist binnen weniger Tage von anderen überklebt, so daß die dicken Papierschichten schließlich in häßlichen Fetzen herunterhängen.

"Selbst, wenn jemand in flagranti beim wilden Plakatieren erwischt wird, können wir kaum etwas unternehmen", so Lotzin, "denn es handelt sich dabei nicht um eine Sachbeschädigung, sondern nur um eine unerlaubte Sondernutzung von öffentlichem Grund und Boden."

Schwierig sei es, so die Erfahrung von Siegurd Kölsch vom Fachbereich Stadtplanung, die Verursacher zu benennen. Selbst wenn das Plakat Rückschlüsse auf den Veranstalter zulasse, könnte dieser sich darauf hinausreden, daß er lediglich das Plakatieren in Auftrag gegeben habe, nicht jedoch, wo die Plakate angebracht werden sollen.

Da den Verursachern rechtlich schwer beizukommen ist, will die NGA jetzt im Auftrag des StadtPflege-Projekts den Wildplakatierern die Suppe versalzen, beziehungsweise den Werbeerfolg vermiesen. Fünf Stellen hat die NGA inzwischen von dicken Plakatschichten befreit: Die Brückenwände an der Kronsforder Landstraße, die Wallbrechtbrücke an der Ratzeburger Allee, sowie an drei Schaltkästen am Beginn der Fußgängerzone Breite Straße, am Burgtor stadteinwärts und stadtauswärts.

Auch in Zukunft wird regelmäßig überprüft, ob nicht erneut Wildplakatierer ihr Unwesen treiben. "Wir hoffen, daß ihnen bald die Lust daran vergeht", so Lotzin, "dafür benötigen wir allerdings einen langen Atem."

Mitarbeiter der NGA haben außerdem Fotos von rund 30 anderen Schmutz-ecken gemacht. Weitere "Paten" aus dem städtischen Bereich werden diese in Zukunft regelmäßig säubern. Geplant ist, daß die NGA 30 Schaltkästen in der Innenstadt reinigt. Der Bereich Jugendarbeit wird in Zusammenarbeit mit den Jugendgemeinschaftsdiensten in den Sommerferien ein Projekt organisieren: Vor allem Studenten, aber auch Auszubildende werden die Hälfte der Kästen kunstvoll nach eigenen Entwürfen bemalen. Die anderen werden sie, im Rahmen der Ferienpaßaktionen, mit Schülern gestalten. "Wir hoffen", so Lotzin, "daß Wildplakatierer davor zurückschrecken, die Bilder zu überkleben."

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