Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 14. April 1998

Heilung, Himmel auf Erden und Honig ums Maul

Beauftragter für Sekten und Psychokulte warnt : Scientology und andere Sekten nach wie vor aktiv

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In den Büchern der Sekten ist meist die Rede vom Weg zum Glück; Foto: C. Przywara

"An Land stehen immer die besten Segler", so Eberhard Arent, Beauftragter für Sekten und Psychokulte der Hansestadt. Aus der Distanz ließe sich leicht über die angebliche Dummheit derer, die in Sekten sind, urteilen, "So einfach ist es leider nicht. Sekten und die zahlreichen Gruppierungen, die ihnen nahe stehen, geben sich nicht als solche zu erkennen", so Arent. Daß rein finanzielle Motive hinter den Versprechungen stecken und welche psychischen Folgen für die Anhänger entstehen können, sei meistens nicht so leicht zu durchschauen. Die Vorgehensweise der Gruppen sei so subtil, daß ihnen auch gewiefte Geschäftsleute in sogenannten Managerkursen auf den Leim gingen.

"Ich bin eher zufällig zum Sektenbeauftragten der Stadt mutiert", sagt Arent. Anfang der 80er Jahre war er Leiter des ehemaligen Zentrums für Freizeit, Bildung und Kultur. "Dort tauchten damals Gruppen auf, die schwer einzuordnen waren", erinnert er sich. "Sie versuchten, in städtischen Einrichtungen Kurse anzubieten, um sich einen guten Leumund zu verschaffen." Arent prüfte, was diese Gruppen eigentlich taten und besorgte sich Informationsmaterial über Sekten. Nach und nach erwarb er sich ein umfangreiches Wissen. Arent ist seitdem zwar offiziell Beauftragter für Sekten- und Psychokulte. Doch er ist für diese Arbeit nicht freigestellt, sondern füllt sie neben seiner Arbeit im Fachbereich Kultur (Fachbereichsdienste und -controlling) aus.

Sekten und ihre Untergruppen haben häufig besonders seriös klingende oder fernöstlich anmutende Namen. Sie versprechen Heilung von schweren Krankheiten, den Himmel auf Erden oder das Paradies im Jenseits. "Jeder gerät einmal in eine schwierige Situation, hat Lebens- oder Sinnkrisen, einen schlechten Tag oder kann krank werden", so Arent. Die meisten seien dann für aufbauende Worte zugänglicher. "Daß diejenigen, die einem Honig ums Maul schmieren, Sekten angehören, ist nicht immer sofort erkennbar."

Denn Sekten haben viele Gesichter. "Bei der Kommunalwahl vor einigen Wochen ist zum Beispiel die Naturgesetz-Partei in Lübeck angetreten", so Arent. "Und die vertreten die Ideologie der TM-Sekte." Die Naturgesetz-Partei bekam in den beiden Wahlkreisen, in denen sie angetreten war, zwar nur 0,1 Prozent der Stimmen. Doch dahinter verbergen sich immerhin 63 mündige Wähler.

Transzendentale Meditation (TM) ist eine Gurubewegung, die bereits 1958 gegründet wurde und deren Heilslehre die "Wissenschaft" von der "geistigen Erneuerung" durch Meditation ist. Ihr Plan zur Ordnung der Welt: Durch hauptamtlichen Meditierer, den "yogischen Fliegern", die im Schneidersitz wie Frösche hüpfen, überträgt sich die Ordnung von Geist und Körper auf die Gesellschaft. Esoterik-Interessierte zählen vorwiegend zu ihren Opfern. Zentren haben sie in allen größeren Städten Deutschlands.

Derzeit sind folgende Sekten, beziehungsweise deren Unterorganisationen, in Lübeck aktiv:

Die Zeugen Jehovas, die zu den Endzeitsekten gehören. Der Weltuntergang wurde mehrfach verschoben, als die Prophezeiungen nicht eintrafen. Sie werben an Haustüren, auf der Straße und mit ihrer Zeitschrift "Wachtturm". Allein in Lübeck gibt es drei Gemeinden.

Universelles Leben/Heimholungswerk Jesu Christi, ebenfalls eine Endzeitsekte, wirbt durch Radioübertragungen, unter anderem in Bürgerradios wie dem Offenen Kanal, die ihnen die Beiträge nicht verwehren dürfen. Die "göttlichen Offenbarungen" des "Universellen Lebens" sollen den "inneren Weg zu Gott" weisen. Unterorganisationen sind unter anderem in Secondhand-Läden, Naturheilkliniken oder Handwerksbetrieben vertreten. Derzeit tauchen in Lübeck immer wieder Kataloge eines Bio-Versandes auf, die mit der Aufschrift "Gut zum Leben" für

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