Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 14. April 1998

Theaterporträts

Mann für alle Rollen

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Paul Kaiser; Foto: TL

Der Schweizer Schauspieler Paul Kaiser

Paul Kaiser wuchs mit vier Brüdern und vier Schwestern auf einem Bauernhof im schweizerischen Kanton Nidwalden auf. Zur Schauspielerei kam er spät - über eine Laienspielgruppe in seinem Geburtsort Hergiswil.

Der heute 33jährige gewann in der Primarschule in Hergiswil eine Beziehung zu künstlerischer Tätigkeit - damals allerdings noch nicht zur Schauspielerei, sondern zum Malen und Zeichnen. In der Sekundarschule spielte er mit dem Gedanken, einen graphischen Beruf zu ergreifen. 1980 begann er eine Ausbildung zum Schriftsetzer und arbeitete in einer Luzerner Druckerei. 1985/1986 war er Leiter der Abteilung Montage bei einer Zeitung. Später übernahm Kaiser, der privat "Schwyzerörgeli" (die schweizerische Ziehharmonika) spielt, Gelegenheitsjobs als Hilfsgärtner.

Über die Jungmannschaft der Feuerwehr kam er schließlich zur Schauspielerei, denn dort war er vier Jahre im Laientheater aktiv. Das Hobby baute er zum Beruf aus. Vier Jahre besuchte Kaiser die Schauspielschule in Bern. Nebenbei spielte er eine kleinere Rolle in dem schweizerischen Spielfilm "Der Berg" unter der Regie von Markus Imhoof.

Sein erstes Engagement bekam er beim Stadttheater in Aachen. Unter anderem übernahm der Schauspieler Rollen in Osbornes "Blick zurück im Zorn", in Kleists "Der zerbrochene Krug" und in Becketts "Endspiel".

Die bislang längste Zeit arbeitete der zweifache Vater am Schauspielhaus in Graz, nämlich von 1992 bis 1997. Dort spielte er Rollen, die kaum gegensätzlicher sein können: Als Kantinenhilfe Otto (in: "Die Kantine von Wolfgang Bauer) und als Pornodarsteller in einer Pornogeographie des Kultautoren Werner Schwab oder als Staatsanwalt in "Unmögliche Beweis-aufnahme" unter der Regie von Thomas Janßen.

Weitere Rollen aus der Grazer Zeit: Andrej S. Posorov in "Drei Schwestern", Johann in "Schroffenstein" nach Kleist, Dilldapp in "Wie Dill-dapp nach dem Riesen ging" von Tankred Dorst, Dr. Adler in "Professor Bernhardi" von Schnitzler, Fritz Bernhardy in "Pension Schöller", Dr. Liedermacher in "Die Menschenfabrik" von Wolfgang Bauer, Kasimir in "Kasimir und Karoline" von Horváth.

Paul Kaiser übernahm aber auch Projektaufträge von Avantgarde-Regisseur Christoh Schlingensief, von Martin Kusej und Stefan Kimmig und hatte kleinere Filmrollen in dem deutschen Fernsehfilm "Atemnot" (Regie Georg Maas) und in der ORF-Fernsehserie "Lieben wie gedruckt" (Regie: Anton Reitzenstein).

Seit 1997 ist Paul Kaiser beim Theater Lübeck engagiert. Hier war er der Mario im "Spiel von Liebe und Zufall", spielt derzeit den Agenten Pierre in "Piaf" von Pam Gems (Regie Peter Hailer) und Graf Wetter vom Strahl in Kleists "Käthchen (Regie: Andreas von Studnitz).

Voraussichtlich wird Kaiser bald als Ganove in Porters "Kiss me Kate" unter der Regie von Sigrid Andersson zu sehen sein.

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