Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 25. März 2003

Sonderschichten am Sonnabend

Grundsicherung: Um Arbeit zu bewältigen, arbeiten Mitarbeiter am Wochenende

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Thorsten Wunsch, zuständig für die Grundsicherung, schiebt derzeit Sonderschichten. ;Foto: N. Neubauer

Über Arbeitsmangel kann sich Thorsten Wunsch nicht beklagen. Akten und Papiere wohin das Auge reicht: Auf dem Schreibtisch des Sachbearbeiters stapeln sie sich, im Regal lagern sie in Pappkartons und die Schränke sind voll. Am vergangenen Sonnabend hat Wunsch mit seinen Kollegen eine Sonderschicht eingelegt - die dritte in Folge. "Wir schaffen das sonst nicht", sagt er.

Daß der Mann und seine vier Kollegen derart im Streß sind, hängt mit dem Grundsicherungs-Gesetz, das seit Anfang des Jahres in Kraft ist, zusammen, mit der generellen Personalknappheit im Sozialamt und mit einem neuen Programm, das der Bereich Sozialhilfegewährung der Hansestadt Lübeck im April einführt. Damit bisherige Sozialhilfeempfänger und -empfängerinnen, die nun Anspruch auf Grundsicherung haben - sogenannte Wechsler -, dann nicht ohne Geld dastehen, schieben die Sachbearbeiter des Bereichs Grundsicherung Sonderschichten. 1400 Akten von Wechslern haben Wunsch und seine Kollegen zu beackern. Zwischen drei und acht prüft er täglich, gibt die Daten der bisherigen Sozialhilfeempfänger in den Computer ein. "Wenn wir das nicht schaffen, müssen wir Schecks ausgeben." "Bisher ist alles noch verworren und läuft holprig", gibt Günter Kämer, Leiter des Bereichs Wohnen, zu. "Wir leiden unter der spärlichen Personalausstattung."

Durch das neue Gesetz mußte ein neues Sachgebiet im Bereich Wohnen (Fachbereich Wirtschaft und Soziales) geschaffen werden. Drei der fünf Mitarbeiter, die es bisher zählt, arbeiteten zuvor in der Sozialhilfegewährung, die anderen stammen aus weiteren Bereichen der Stadtverwaltung. Eine sechste Arbeitskraft wird derzeit eingearbeitet.

Die Anträge der eigentlichen Gruppe, die die Bundesregierung mit dem neuen Leistungsgesetz im Blick hatte, können erst ab April bearbeitet werden. 2000 Anträge sind seit Jahresanfang eingegangen. Zudem sind auch noch rund 1600 Akten jener Bürger zu bearbeiten, die in Heimen leben und nun Anspruch auf Grundsicherung haben.

Das neue Gesetz hat nicht nur Folgen auf die interne Verwaltungsarbeit. Es zieht auch finanzielle Folgen für die Hansestadt Lübeck nach sich. Volker Zeuner vom Bereich Wohnen ist zuständig für die finanzielle Seite des neuen Leistungsgesetzes. Er geht davon aus, daß sich die Leistungen der bisherigen Sozialhilfeempfänger und Heimbewohner, die nun Grundsicherung bekommen, nicht finanziell auswirken. "Das bleibt kostenneutral", sagt er. Anders bei der Gruppe der armen Senioren und Seniorinnen, die nun Grundsicherung beantragen. Rund 1000 angenommene Fälle im Jahr schlagen mit 1,2 Millionen Euro zu Buche. 39 Prozent davon trägt das Land, 61 Prozent die Hansestadt Lübeck. Das heißt 732 000 Euro, Personal- und Sachkosten nicht miteingerechnet. Geld, das die Bürgerschaft Ende des vergangenen Jahres als außerplanmäßige Bewilligung im Haushalt bereitgestellt hat.

Auch wenn die Anträge für die Grundsicherung noch nicht auf dem Schreibtisch von Wunsch und seinen Kollegen liegen, finanzielle Folgen hat die spätere Bearbeitung nicht.

Nachzahlung

Wer berechtigt ist, bekommt ab dem Monat der Antragstellung Geld und damit eine Nachzahlung. Senioren mit kleiner Rente, die noch keinen Antrag gestellt haben, sollten dies deshalb schnell nachholen.

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