Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 01. April 2003

"Wir sind kein Jammerclub"

Selbsthilfegruppe für an Multiple Sklerose Erkrankte stellt sich vor

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Michaela und Martin Sonnenberg auf ihrer Terrasse: "Man muß positiv bleiben."; Foto: N. Neubauer

"Wir sind kein Jammerclub. Wir sind eine Positivgruppe", scherzt Martin Sonnenberg, lacht und umarmt seine Frau, Michaela Sonnenberg. Der 41jährige leitet die Selbsthilfegruppe der DMSG (Deutsche Multiple Skle-rose Gesellschaft) in Lübeck, die sich zwei Mal im Monat trifft. Dem Selbstverständnis entsprechend, kein Jammerclub zu sein, helfen die Mitglieder sich gegenseitig. So geht es bei einem Treffen im Monat regelmäßig um die Krankheit: Erfahrungsaustausch über Medikamente und gemeinsame Aktionen wie Seminare zu speziellen Entspannungstechniken stehen dann im Vordergrund. Bei dem zweiten Treffen geht es um private Dinge. Zum "Kaffeeklatsch" kommen deshalb auch mal Kinder mit, Verwandte und Freunde.

Sonnenberg hat vor 17 Jahren erfahren, daß er an Multiple Sklerose (MS), einer bis heute unheilbaren Krankheit, leidet. Erste Ausfälle, ein Kribbeln in den Fingern, so daß er keinen Kugelschreiber mehr halten konnte, hatte er bereits mit Anfang 20, dann ging es ihm über Jahre wieder gut.

Unterschiedliche Verläufe

Bei Multiple Sklerose, einer Autoimmunkrankheit, entzünden sich aus bisher ungeklärten Ursachen schubweise die Nerven und verletzen Nervenknoten. "So eine Diagnose drückt auf die Seele", sagt Sonnenberg. "Damit muß man erst einmal fertig werden. Man hat ja das Bild vom Rollstuhlfahrer im Kopf. Aber es ist nicht immer so, daß man da landet." Die Krankheitsverläufe seien unterschiedlich. Ein Mitglied der Selbsthilfegruppe habe seit 30 Jahren MS, "sie bewegt sich wie jede normale Seniorin".

In der MS-Gruppe hat Sonnenberg sein Glück gefunden. Vor fast zehn Jahren lernte er seine ebenfalls an MS erkrankte Frau kennen, mit der er inzwischen verheiratet ist und zusammenlebt. "Man muß positiv bleiben", sagt Sonnenberg, "es bleibt einem doch nichts anderes übrig". So geht es bei den Treffen um die Bewältigung der Probleme, die die Krankheit mit sich bringt: Um Ausgrenzung im Bekanntenkreis, um Schwierigkeiten im Arbeitsalltag und um Selbstbestimmung. "Daß die nicht auf der Strecke bleibt, ist wichtig. Wir wollen nicht betüddelt werden. Das, was man machen kann, machen wir selber", sagt Sonnenberg.

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