Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 21. April 1998

Eigene Symphonie zum Jubiläum

Die Lübecker Philharmoniker bringen Döhl-Uraufführung

Ein Jubiläum bedeutet nicht nur Rückschau, sondern auch Ausblick: Also vergab die Hansestadt Lübeck zum 100jährigen Bestehen ihres Philharmonischen Orchesters einen Kompositionsauftrag, um den Klangkörper zu ehren - und ihn auch herauszufordern. Den Auftrag erhielt Friedhelm Döhl.

Der seit 1982 hier an der Musikhochschule lehrende Professor schrieb daraufhin eine "Symphonie für großes Orchester". Dieses Werk entstand innerhalb des letzten Jahres und wird nun im kommenden 7. Sinfoniekonzert uraufgeführt: Am Sonntag, 26. April, um 11 Uhr und am Montag, 27. April, um 20 Uhr in der MuK spielen die Philharmoniker "ihre" Symphonie unter Leitung von Generalmusikdirektor
Erich Wächter zum ersten Mal.

Große Kompositionen

Den Lübeckerinnen und Lübeckern ist Döhls Musik vertraut - live vor allem durch viele Konzerte und auch auf Tonträgern:Kürzlich erschien eine CD, die vornehmlich Kammermusik enthält. Unter seinen großen Kompositionen finden sich das für Heinrich Schiff geschriebene Cellokonzert, die in Kiel uraufgeführte Oper "Medea" sowie das Klavierkonzert; letzteres, im Auftrag des Schleswig-Holstein Musik Festivals entstanden, hob Rudolf Buchbinder im vergangenen Sommer in der MuK aus der Taufe.

Döhls Schaffen zeichnet sich durch Klarheit und Transparenz aus. Diese Eigenschaften sind auch von seiner Symphonie zu erwarten. Darin zieht der 61jährige Komponist in sieben Sätzen Bilanz:"Sie sind wie sieben Kapitel eines Romans, in dem mein ganzes Leben vorkommt."

Nach einem "Introitus" (Einführung) geht es über ein "Ritual" und eine "Ballade" zu einem "Lied", das im Mittelpunkt der Symphonie steht; auf ein "Intermezzo" folgen danach "Zerbrochenes Lied"(Atemwende) und das "Exodos" betitelte Finale. Das verweist auf den Abschluß einer Lebensphase, denn es ist für Döhl "ein Aufbruch, dem etwas Neues folgt, ein Ende, das ein Anfang ist. Was danach kommt, ist offen". Friedhelm Döhl hat für großes Orchester komponiert. Das bedeutet in diesem Fall mindestens dreifach besetzte Bläser, Pauken, drei Schlagzeuger und Klavier - und natürlich eine komplexe Streicherbesetzung.

Einführung in das Konzert

Das 7. Sinfoniekonzert bietet neben dieser Uraufführung mit der 3. Sinfonie von Johannes Brahms noch eine der beliebtesten Kompositionen des Konzertsaals. Eine Einführung in die beiden Werke von Döhl und Brahms veranstaltet der Orchesterfreunde-Verein am kommenden Donnerstag, 23. April, um 19 Uhr in der MuK (Orchesterprobensaal, Eingang Wasserseite).

Mit diesem Sinfoniekonzert verabschiedet sich Gerhard Welzel, seit 1971 eine große Stütze der zweiten Geigen, in den Ruhestand.

Der wird jedoch zunächst unruhig, denn Welzel ist auch ein versierter Pianist - und in dieser Funktion geht er auf große (Kreuz)Fahrt.Güz

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de