Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 21. April 1998

Vielfältige persönliche Kontakte

Lübecks Partnerstädte - Eine Serie in lockerer Folge - Teil 2: Klaipeda in Litauen

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Das Fest der Fischer gehört in Klaipeda zum Kulturleben der Stadt; Foto: Privat

Die Klaipedaer und die Lübecker kamen sich, wie soll es anders sein, über die Ostsee näher. Ihre intensiven Handelsbeziehungen zu Wasser aus früherer Geschichte wurden durch eine Fährverbindung zwischen der damals noch sowjetischen Hafenstadt (ehemals Memel) und der Hansestadt Lübeck 1988 wieder aufgenommen. Im Zuge der wirtschaftlichen und politischen Reformen in der Sowjetunion wurden damit auch die Grundlagen für ihre Städtepartnerschaft gelegt, die am 2. März 1990 besiegelt wurde. Inzwischen gehörte Klaipeda zum unabhängigen Staat Litauen.

Beim schwierigen Wandel von kommunistisch gelenkter zu freier Marktwirtschaft hatte Klaipeda in Lübeck einen hilfreichen Partner. Viele Lübecker waren bereit, die größte Not durch Spenden lindern zu helfen. Verschiedene Hilfstransporte mit Lebensmitteln, Kleidung, besonders aber medizinischen Geräten, gingen über das Meer, und die Stadt trug mit kräftigen Finanzspritzen ihren Teil dazu bei.

Logen unterstützen Hilfsaktionen

Unterstützung fanden die Hilfsaktionen immer wieder durch die Logen. Bis heute ermöglicht eine Loge regelmäßig vier- bis sechswöchige Praktika junger Leute aus Klaipeda in Lübecker Handwerksbetrieben. 1994 gründete sich der "Jugendförderverein Lübeck - Klaipeda im Deutschen Druidenorden", der auch vor Ort präsent ist: In seinem Büro in Klaipeda können sich Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben Rat holen. Auf ähnliche Weise engagiert sich die Gemeinnützige Gesellschaft für Klaipeda: 1994 vergab sie Stipendien für Praktika an junge Hafen- und Bankfachleute.

Der Jugendaustausch ist inzwischen zu einem wichtigen Standbein der Partnerschaft geworden. Regelmäßig finden gegenseitige Schülerbesuche statt. Auch eine Lehrerfortbildung der litauischen Gäste wird in Lübeck ermöglicht.

1993 bildete sich an der Berndt-Notke-Realschule die Schülerprojektgruppe "Miteinander leben". Dieser Gruppe kam es darauf an, durch persönliche Begegnungen Vorurteile abzubauen. Mehrmals haben die Schüler seitdem Jugendliche in Klaipeda besucht und in Gastfamilien gewohnt sowie umgekehrt Gäste aus Klaipeda empfangen.

Austausch von Mitarbeitern

Und tatsächlich: Das eine oder andere schiefe Bild konnte durch eigene Anschauung zurechtgerückt werden. Ein Lübecker Schüler äußerte überrascht: "Ich hatte mir das alles viel ärmlicher vorgestellt." Im Bereich der Gas- und Wasserversorgung, der Stadtverwaltung, der Feuerwehr und der Altenpflege werden Mitarbeiter ausgetauscht.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Kultur. 1993 nahmen Lübecker Schriftsteller am "Poesie-Festival" in der Partnerstadt teil. Im selben Jahr kam eine Volksmusikgruppe aus Klaipeda zum internationalen Shanty-Chor-Treffen.

Im Sommer vergangenen Jahres waren Lübecker Künstler im Rahmen der Klaipedaer Meerestage auf dem seit 1996 bestehenden Drei-Städte-Künstlertreffen vertreten.

Das "Junge Kammerorchester Lübeck" besuchte Klaipeda 1996. Im vergangenen November waren Schüler und Lehrer des Musikalischen Konservatoriums Klaipeda wiederum Gäste der Musikschule.

Was als Wirtschaftsbeziehung begann, ist längst mehr geworden. Jenseits aller unternehmerischen Interessen zeichnet sich die Städtepartnerschaft vor allem durch eine Verständigung der Herzen aus. Schon am Ende des ersten Lübeck-Besuchs 1991 antwortete Klaipedas damaliger Bürgermeister Vasiliauskas Povilas auf die Frage, was ihm am besten gefallen hätte: "Die Stadt und ihre Menschen".

Schicksalsreiche Geschichte

Klaipeda, ehemals Memel, hat eine schicksalsreiche Geschichte als viel umkämpfte Stadt des Deutschen Ostens hinter sich. Zunächst war der Deutsche Orden im späten Mittelalter als Eroberer des Memellandes präsent. Das Gebiet wurde zwischen dem livländischen und dem preußischen Ordenszweig aufgeteilt, Memel unterstand abwechselnd Livland und Preußen. Das 1252 gegründete Memel erhielt 1408 deutsches Stadtrecht.

Über Jahrhunderte hinweg war die Stadt ein wichtiger Stützpunkt der deutschen Hanse, erhielt 1254 sogar das lübische Recht, das nur sehr wenige preußische Städte hatten. Es bestand schon damals ein reger Schiffsverkehr zwischen dem damaligen Memel und Lübeck. Bis 1868 existierte in Memel auch ein lübeckisches Konsulat.

Im Zuge des Ersten Weltkrieges verlor sich der deutsche Einfluß zunächst wieder. 1939 gab Litauen dann unter Druck das Memelgebiet an Deutschland zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gliederte es die Sowjetunion an die Sowjetrepublik Litauen an. Als einzige litauische Hafenstadt lebt die 400 000-Einwohner-Stadt Klaipeda auch heute noch vor allem vom Seehandel.

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