Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 17. Juni 2003

Auf ein Wiedersehen

Ludmilla Putina und Doris Schröder-Köpf kamen zum Jugendtreffen nach Lübeck

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Der hohe Besuch auf dem Weg zur Marienkirche

Der rote Teppich auf der Gangway des Kreuzfahrtschiffes `Silja Opera' und die Orchideengestecke auf dem Behnkai neben den Media Docks waren unübersehbare Hinweise auf die prominente Passagierin - sieht man von den Sicherheitskräften und gepanzerten Limousinen ab: Ludmilla Putina, Rußlands `First Lady', machte im Rahmen des von ihr geförderten internationalen Jugendtreffens `Baltischer Stern' am Pfingstsonnabend Station in Lübeck.

Rund zehn Stunden lang hielt sich die Ehefrau von Rußlands Staatspräsident Wladimir Putin in der Hansestadt auf - und machte gleich zu Beginn der Visite am Vormittag ihr eigenes Programm: Der Cappuccino bei Niederegger stand weder im Protokoll, noch wußte der Attaché der russischen Botschaft Berlin, Oleg Kokorin, vorher davon. Entsprechend überrascht waren auch die deutschen Sicherheitskräfte, die flugs umdisponieren mußten. Derweil warteten rund drei Dutzend Journalisten geduldig im Audienzsaal des Lübecker Rathauses. Aus Sicherheitsheitsgründen mußten die Medienvertreter eine Stunde vor dem offiziell für 12.30 Uhr angesetzten Termin im durch die heiße Sommersonne aufgeheizten `Audi' warten.

Noch einen Tag vor dem Besuch hatten die Wünsche der Offiziellen und Sicherheitskräfte für Schweißperlen in der Stadtverwaltung gesorgt: Die geplanten Besuche im Günter Grass-Haus und bei den Buddenbrooks wurden in letzter Minute gestrichen - was blieb, war der Eintrag in das Goldene Buch der Hansestadt Lübeck, ein Besuch in der Marienkirche, das Mittagessen auf Einladung der Staatskanzlei der Landesregierung Schleswig-Holstein in der Schiffergesellschaft und natürlich ein Zusammentreffen mit Jugendlichen in den Media Docks.

Getroffen hat Ludmilla Putina in der Hansestadt auch eine gute Freundin: Doris Schröder-Köpf, Ehefrau von Bundeskanzler Gerhard Schröder, wartete mit einem großen Strauß Pfingst-rosen im Audienzsaal. Beide unterstützten im vergangenen Jahr die deutsch-russische Sprach-olympiade. Ludmilla Putina setzt sich sehr für die Förderung der deutschen Sprache in Rußland und der russischen Sprache in Deutschland ein.

Nur mit Tinte

Beide Politiker-Ehefrauen und Ministerpräsidentin Heide Simonis verewigten sich auf der vierten Seite des - neuen - Goldenen Buches der Stadt, in das sich Prinz Charles im vergangenen Jahr, ebenfalls im Juni, als erster eingetragen hatte. Geschrieben wird in diesem Gästebuch ausschließlich mit einem Tintenfüller - nur für den Notfall liegt ein Kugelschreiber parat. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der die Gäste mit Stadtpräsident Peter Sünnenwold (CDU) empfing, nutzte die Gelegenheit, um auf die seit fast 800 Jahren bestehenden Handelsbeziehungen mit Rußland zu verweisen: `Im Jahre 1205 wurde die erste lübsche Niederlassung in Rußland eröffnet.'

Für Ludmilla Putina, die bei der ersten Begrüßung durch Lübecks Offizielle mit `Ihre Exellenz' (I.E.) angesprochen wurde, war es nicht der erste Aufenthalt in Lübeck: Vor zwölf Jahren sei sie schon einmal in der Stadt gewesen, verriet sie. `Und ich habe mir nicht nur das Marzipan gemerkt, sondern auch die wunderschöne Altstadt. Deutschland ist ein Land, in dem man sich für Politik interessiert - ich bin immer wieder von den positiven Reaktionen der Menschen auf der Straße überrascht, man hat den Eindruck, daß sich das Schicksal in zuverlässigen Händen befindet', sagte die fließend Deutsch sprechende First Lady - auf russisch. Nach Wulfsdorfer Stangenspargel, frischem Ostseelachs, Warnsdorfer Erdbeeren und Vanilleeis gab es nicht nur Lob für das historische Ambiente der Schiffergesellschaft.

Ludmilla Putina als Schirmherrin des Jugendtreffens traf sich mit den ebenfalls auf der "Silja Opera" mitgereisten Jugendlichen aus Rußland, Finnland, Schweden und anderen Ostseeanrainerstaaten im Veranstal-
tungssaal der Media Docks.

Ein Wiedersehen in Lübeck?

`Vor zwei Jahren entstand die Idee eines internationalen Jugendtreffens und im kommenden Jahr soll es wieder eine Veranstaltung geben', sagte Doris Schröder-Köpf zu Beginn der Diskussionsrunde. `Ich hoffe nur, daß Deutschland wieder eine Station sein wird und vielleicht wieder hier in Lübeck.' Sie verwies darauf, daß die Stadt nicht nur eine traditionsreiche Geschichte habe, sondern drei Nobelpreisträger mit ihr verbunden sind, `die sich alle für internationale Kontakte eingesetzt haben - davon können die Jugendlichen profitieren.' Ministerpräsidentin Heide Simonis betonte, `junge Menschen sind die künftigen Botschafter ihrer Länder und Kulturen - ihnen eine Chance zu geben, voneinander und miteinander zu lernen, ist eine wichtige Aufgabe. Diese Idee braucht Menschen, die sie nicht nur aus rationalen Gründen mittragen, sondern auch mit dem Herzen und viel Phantasie.'

Lübecks Stadtpräsident Peter Sünnenwold (CDU), der die Jugendlichen in den Media Docks begrüßte, ließ seine Ansprache zunächst durch Dolmetscherin Barbara Schwarz ins Englische übersetzen, ehe er dann fließend in englischer Sprache parlierte.

m.r./m.l.

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