Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 22. September 2019

Ausgabe vom 15. Juli 2003

Ein typisches Kaufmannshaus

Denkmalgeschütztes Gebäude mit einer über 700jährigen Geschichte

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Die Barockdecke stellt unterschiedliche Jahreszeiten dar. ; Fotos: N. Neubauer

Marlene Kaeding öffnet gern ihre Türen und zeigt das geschichtsträchtige Haus, in dem sie mit Ehemann und Sohn wohnt. "Viele Menschen sollten die Möglichkeit haben, es zu sehen, nicht nur die Bewohner", sagt sie. "Das Haus hat so viel zu geben." Das wissen oder ahnen zumindest viele. Denn öffnet Marlene Kaeding im Erdgeschoß die Galerie, die sie betreibt, oder vergißt sie einmal die Haustür abzuschließen, stehen wenig später staunende Passanten und Touristen in dem Kaufmannhaus in der Mengstraße 44.

Die meisten sind erst einmal baff: Die Diele sprengt in jeder Hinsicht heutige Dimensionen des Häuserbaus. Der Fußboden der rund 80 Quadratmeter großen Halle ist mit Gotland-Fliesen bedeckt, die Decke mehrere Meter hoch, eine zehn Quadratmeter große Fensterfront öffnet den Blick in den begrünten Innenhof. Und dann der Schrank. Mit seiner Höhe von über drei Metern und seiner Länge von rund vier Metern ist er wirklich eindrucksvoll anzuschauen. Aus dem 16. Jahrhundert stammt der hölzerne Koloß, den Tischler natürlich nicht in einer Werkstatt schreinerten - er hätte durch keine Tür gepaßt-, sondern an Ort und Stelle, da, wo er heute steht.

"Das ist es"

So wie Besucher beim Anblick des Gebäudes beeindruckt sind, ging es vor zwei Jahren auch Marlene Kaeding, als sie zum ersten Mal in das denkmalgeschützte Gebäude trat. Die Suche nach einem Haus war damit für sie abgeschlossen. "Ich hatte sofort das Gefühl: Das ist es." Wenig später zogen die Kaedings ein.

Das Haus, das erstmalig 1294 erwähnt wurde, stammt in seiner Bausubstanz überwiegend aus dem 16. Jahrhundert, einer Blütezeit des Lübecker Profanbaus. Es hat einen fünfteiligen Staffelgiebel mit senkrecht gegliederten, rundbogigen Blenden. Familie Kaeding wohnt im Erdgeschoß und in den beiden Obergeschossen, das Dachgeschoß ist vermietet. Zu dem Haus gehört auch ein Seitenflügel und, am Ende eines kleinen Innenhofes, ein Quergebäude. Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein haben offenbar gutsituierte Kaufleute und Krämer das Haus genutzt.

Viel Arbeit

Sind Besucher auch noch so beeindruckt von der Schönheit der Räume und deren Geschichte, die sie erzählen, in einem derartig alten Gemäuer zu leben, bedeutet eine Menge Arbeit. Gerade erst wurde das Dach gemacht, so daß es nicht länger hineinregnet. Doch damit ist es nicht getan, in den nächsten Monaten, Jahren folgen diverse andere Arbeiten: Der Fußboden in der Diele, der zum Teil abgesackt ist, muß komplett erneuert werden, die Fenster, Seitenflügel und Quergebäude sind noch gar nicht bewohnbar. Kaedings haben also in den nächsten Jahren noch einiges vor sich. Bei vielen Arbeiten ist Sachverstand gefragt, zum Beispiel bei den Wand- und Deckenmalereien. Die Malereien im Seitenflügel, die in den 70er Jahren freigelegt wurden, stammen aus unterschiedlichen Epochen: Darunter sind fragmentarische Ausmalungen der Gotik, Mauresken der Renaissance sowie eine imposante Deckenmalerei, die aus dem Barock stammt. In einem Raum des Seitenflügels hängen zudem Reste von Leinwandbespannungen, wie man sie zur Zeit des Rokoko verwendete. Marlene Kaeding macht die viele Arbeit nichts aus, sie hat sich darauf eingestellt: "Ich lebe nicht nur in diesem Haus, ich lebe mit dem Haus."

Stück für Stück

Nicht im Hauruckverfahren, sondern Stück für Stück mache sie sich mit ihrem Mann und ihrem Sohn daran, das Haus zu renovieren. "Mit so einem Haus ist man nie fertig", sagt sie ohne Spur von Reue. Allerdings, so gern wie Marlene Kaeding ihr denkmalgeschütztes Haus auch zeigt und seine Geschichte erzählt, manchmal schließt sie die Türen. Schließlich ist die Meng-straße 44 ein Wohnhaus und kein Museum.

TAG DES OFFENEN DENKMALS

Der Tag des offenen Denkmals am 14. September wird in diesem Jahr etwas Besonderes sein für die Hansestadt Lübeck: Die zentrale Eröffnungsfeier findet in der Weltkulturerbestadt statt. Das heißt, die Hansestadt Lübeck erwartet zahlreiche Gäste, Vertreter und Vertreterinnen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Bundes- und Landesregierung. Die Stadtzeitung startet zum Tag des offenen Denkmals eine Serie. Wir greifen das diesjährige Motto "Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal" auf und stellen in loser Folge einige jener Denkmale vor, die am Aktionstag zu besichtigen sind. Rund 65 Lübecker öffnen der

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