Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 18. November 2003

Gemeinsam gegen Schwarzarbeit

Handwerkskammer übergibt Ermittlungsgruppe der Hansestadt Computer

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Haben kein Verständnis für Schwarzarbeiter: Ermittler Mischa Jelen und Geschäftsführer der Handwerkskammer Christian Maack.; Foto: N. Neubauer

Die Handwerkskammer hat der städtischen Ermittlungs-gruppe zur Bekämpfung der Schwarzarbeit einen Computer vermacht. Sie will damit die Arbeit der Ermittler unterstützen. Am vergangenen Dienstag nahmen Mischa Jelen, Leiter der Ermittlungsgruppe, und Dr. Beate Hoffmann, Senatorin für Sicherheit, Ordnung und Umwelt, das Gerät in den Räumen der Handwerkskammer entgegen.

Der Geschäftsführer der Handwerkskammer, Christian Maack, sagte, es sei seiner Institution ein wichtiges Anliegen, der Ermittlungsgruppe unter die Arme zu greifen. Er machte deutlich, daß die Handwerkskammer im Gegensatz zu der städtischen Ermittlungsgruppe nicht berechtigt ist, Schwarzarbeit zu ahnden und Bußgeldverfahren einzuleiten.

Die städtische Ermittlungsgruppe zur Bekämpfung der Schwarzarbeit gibt es bereits seit gut sechs Jahren. Vier Ermittler (drei Planstellen) sind seither den schwarzen Schafen unter den Handwerkern auf der Spur. So leiteten die Ermittler im vergangenen Jahr 76 Bußgeldverfahren ein und nahmen rund 43 000 Euro ein.

"Freundschaftsdienst"

Jelen berichtete von einem aktuellen Fall: Derzeit ermittle er gegen einen Sozialhilfeempfänger. Der arbeitslose Dachdecker habe über mehrere Tage in Kücknitz das Dach eines Einfamilienhauses gedeckt - aus reiner Freundschaft, wie er behauptete, als ihm die städtischen Ermittler auf die Schliche kamen. Ermittler Jelen sieht das anders, aus seiner Sicht sprechen mehrere Dinge dafür, daß es sich um einen Fall von Schwarzarbeit handelt. Der Handwerker, der aus einem der umliegenden Kreise stammt, fuhr mit einem "dicken BMW" vor und wolle noch nicht einmal Fahrtgeld für seine tägliche Anfahrt bekommen. Wird Schwarzarbeitern ihr illegales Tun nachgewiesen, droht ihnen ein Bußgeld in Höhe von bis zu 100 000 Euro. Zugrunde gelegt wird dabei, wie hoch ein Handwerksbetrieb die geleistete Arbeit veranschlagen würde sowie die persönliche Situation des Schwarzarbeiters. Das heißt, bezieht er wie in dem erwähnten Fall Sozialhilfe, fällt das Bußgeld entsprechend niedriger aus. In dem genannten Fall läge es nach Aussagen von Jelen bei 500 bis 1000 Euro.

Obgleich es sich bei dem Computer samt Bildschirm um einen ausrangierten handelt, freute sich der Leiter der Ermittlungsgruppe. "Mein Rechner stammt noch von 1997, dieser wird schneller sein", sagte er. Es ist bereits der dritte innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre, den die Handwerkskammer der Ermittlungsgruppe vermacht. "Herzlichen Dank für die konstruktive Zusammenarbeit", bedankte sich Dr. Hoffmann.

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