Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 25. November 2003

Eine Gala fürs Café Wut

Prominente lesen im Rathaus zum Thema Armut - Erlös an Obdachloseneinrichtung

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Sitzen im Warmen und Trockenen: Gäste des Café W.u.T.; Foto: N. Neubauer

Die Stube ist gerammelt voll. Dicht an dicht sitzen zwei Dutzend Männer und eine Frau in dem gerade mal 15 Quadratmeter großen Raum und im angrenzenden Flur des Café W.u.T. (warm und trocken). Das Radio läuft, die Männer quatschen, rauchen und warten: sie warten darauf, daß Karin Jenkel, Leiterin der Obdachlosenein-richtung, die mit Kollegen in der angrenzenden Küche kocht, das Essen ausgibt.

Einmal in der Woche, jeden Dienstag, gibt es im Café Wut während der kalten Jahreszeit ein warmes Mittagessen umsonst. Den Rest der Woche bekommen die Gäste zwar auch im Café Wut etwas Warmes zu essen, müssen aber dafür zahlen. "Wir verdienen kaum was dran, das bißchen, was wir einnehmen, deckt kaum die Kosten ab", sagt Karin Jenkel. Geld fehlt dem Verein SOS, der die Einrichtung betreibt, an allen Ecken und Enden. Auch deshalb, weil es den Betreibern wichtig ist, einen bestimmten Standard zu halten. Damit die Gäste sich wohlfühlen, wird das Haus in Schuß gehalten und regelmäßig renoviert. Für Anschaffungen wie einen neuen Trockner, einer Kaffeemaschine, geschweige denn für einen Computer reicht das Geld allerdings nicht.

Anke Timmermann-Grell die das Café Wut und den Verein SOS vor Jahren ins Leben rief, will Abhilfe schaffen und die klamme finanzielle Situation an der Untertrave 21 ändern. Sie organisiert am Freitag, 28. November, eine Benefizgala im Bürgerschaftssaal. Prominente unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche unterstützen sie dabei: Stadtpräsident Peter Sünnenwold (CDU)hat die Schirmherrschaft übernommen, Renate Menken von der Gemeinnützigen, Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), Werner Busch, Björn Engholm und Schauspieler Gerhard Olschewski gestalten die Veranstaltung mit: Sie lesen rund zehn Minuten aus einem Werk ihrer Wahl zum Thema Armut. "Dabei geht es nicht nur um materielle, auch um die moralische, geistige Armut", sagt Timmermann-Grell. Das Salonorchester der Musikschule spielt dazu und die Gaststätte der Gemeinnützigen tischt eine deftige Suppe auf: einen Gemüseeintopf mit Wurst. "In einfachen Suppentassen serviert", betont Timmermann-Grell. Das Café Wut exisitiert seit elf Jahren, seit vier Jahren ist es mit dem Verein SOS, den ebenfalls Timmermann-Grell gründete,unter einem Dach in einem Haus der Trave Grundstücksge-sellschaft, An der Untertrave 21, untergebracht. Der Verein SOS berät Sozailhilfeempfänger und Arbeitslose und organisiert unter seinem Dach Treffen für Alleinerziehende zum Beispiel.

Im Erdgeschoß des Café Wut befinden sich zwei Zwinger für Hunde, der Raum für die Waschmachschine, Duschen, und im zweiten Obergeschoß können sich Besucher in einem von drei Betten aufs Ohr hauen, im Flur Dart spielen oder Kickern. Doch das eigentliche Leben im Café Wut spielt sich in der Stube, im ersten Geschoß ab. Dort essen die Besucher, quatschen und trinken Kaffee."Ich komme seit letztem Jahr öfter her", sagt Uwe Bielecki, "um Leute zu treffen", so der 41jährige und schiebt hinterher: "Wir sitzen hier alle im selben Boot." Auch für Jürgen Kröger ist das Café Wut zur Anlaufstelle geworden, immer wenn der Berber, das sind Menschen, die von Stadt zu Stadt ziehen ohne einen festen Wohnsitz zu haben, nach Lübeck kommt, schaut er herein: "Das Café Wut ist `ne feste Größe für mich", sagt der 46jährige.

Täglich kommen bis zu 40 Besucher her, zumeist Männer. Viele zählen zum Stamm, aber auch neue Gesichter verschlägt es an die Untertrave. Sie kommen, um im Warmen und Trockenen zu essen, zu trinken, zu duschen oder ihre Kleidung zu waschen und zu trocknen - auf engstem Raum wohl gemerkt.

Das Café Wut finanziert sich aus Zuschüssen des Landes und der Hansestadt Lübeck. 8000 Euro fließen pro Jahr aus Kiel, Lübeck übernimmt mit rund 130 000 Euro im Jahr den Löwenanteil und finanziert damit die beiden hauptamlichen Kräfte und laufende Kosten.

Was die Vorleser und die Vorleserin am Freitag zum Thema Armut zum Besten geben, ist zum Teil noch unklar. "Das überlege ich mir spontan", sagte Björn Engholm, der wie die anderen die Aktion gerne unterstützt: "Frau Timmermann-Grell thematisiert etwas, das in unserer Gesellschaft gern verdrängt wird. Das macht sie schon seit Jahren. Das zu unterstützen, finde ich sehr sinnvoll." Bürgermeister Saxe weiß hingegen ganz genau, was er zum Besten gibt: das Kapitel 1946 aus Mein Jahrhundert von Günter Grass. Es handelt von einer alleinerziehenden Mutter, die es schafft, durch Beharrlichkeit und Willen die Welt ein Stück besser zu machen.

Karten im Vorverkauf

Karten für die Benefizgala am Freitag, 28. November, 17 Uhr, gibt es im Musikhaus Robert und im Pressezentrum zum Preis von 20 Euro, der herzhafte Eintopf ist inklusive.

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