Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 25. November 2003

Unterwegs im Auftrag der Stadt

Lübecks höchster Repräsentant hat vielfältige Aufgaben: der Stadtpräsident

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"Parteipolitisch neutral, das ist mein oberstes Gebot - zum Wohle der Stadt müssen alle an einem Strang ziehen" Peter Sünnenwold (CDU), Stadtpräsident der Hansestadt Lübeck

Sie sind seit April 2003 Stadtpräsident, zuvor waren Sie bereits Stellvertretender Stadt-präsident. Bringt der Sprung an die Spitze viel Neues?

Ja, denn es sind natürlich wesentlich mehr Aufgaben hinzugekommen, Aufgaben, die man vorher gar nicht in der Form wahrgenommen hat. Beispielsweise die gesamte Büroarbeit oder die Vorbereitung der Bürgerschaft. Auch viele Anfragen der Bürgerinnen und Bürger zur gesamten Themenpalette, wie Straßenzustand, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Finanzsituation der Stadt oder mehr Geld für Vereine landen auf meinem Schreibtisch. Insgesamt nimmt das Interesse am Geschehen in der Stadt zu. Wir haben häufiger Fragen an die Bürgerschaft und auch deutlich mehr Gäste während der Sitzungen.

Sie pflegen den intensiven Kontakt zu zahlreichen Institutionen in und um Lübeck, Lübecks Partnerstädten und empfangen Botschafter aus aller Welt im Rathaus. Warum ist diese repräsentative Tätigkeit für die Stadt wichtig?

Bei diesen Anlässen werden Kontakte zu Lübeck geknüpft oder vertieft. Diese gilt es zu nutzen, für die Wirtschaft, die Kultur oder in vielen anderen Bereichen. Ich verstehe mich zum großen Teil als Botschafter dieser Stadt. Um diese Kontakte beispielsweise in die Wirtschaft einfließen zu lassen, lade ich gern Vertreter der Industrie- und Handelskammer oder der Kaufmannschaft hinzu, damit es dann mehr als repräsentative Besuche oder Empfänge sind. So nutzt die Lübecker Hafengesellschaft heute die guten Kontakte zur russischen Botschaft, die durch den Besuch von Ludmilla Putina, der Frau des russischen Staatspräsidenten, entstanden, um die Handelsbeziehungen zu den früheren Ostblockstaaten auszubauen.

Dann sind Sie so etwas wie ein Vermittler, ein Verbindungsmann?

Ja, oftmals ist es gar nicht abzusehen, was aus einer Begegnung einmal entsteht. Zunächst sieht es immer so aus, als wenn man bei diesen ganzen Empfängen nur nett zusammensteht. Aber über diese Kontakte hat man es später viel einfacher, einmal in einem Land anzurufen, zu sagen, wir haben hier ein Unternehmen, das würde gern das und das machen, können sie uns unterstützen? Aufgrund des persönlichen Kontaktes ist dann jeder bemüht zu helfen. Und das ist einer der wesentlichen Punkte, daß man als Stadtpräsident so eine Art Nahtstelle ist, die viele Verbindungen herstellt.

Sie sind Mitglied in Aufsichtsräten, in Ausschüssen, Mitglied der Bürgerschaft und Stadtpräsident. Beim Amtsantritt haben Sie betont, Ihr Amt parteipolitisch neutral ausüben zu wollen. Gelingt dies immer, oder gibt es Konfliktsituationen?

Nein. Als Politiker bin ich es in den letzten 15 Jahren fast schon gewohnt, mal diese und mal jene Interessen wahrzunehmen und mir den jeweils entsprechenden Hut aufzusetzen. Als Stadtpräsident verhalte ich mich absolut neutral. Das, glaube ich, werden auch die Fraktionen bestätigen. Ich habe als Bürgerschaftsmitglied in den letzten Jahren manche kämpferische Rede gehalten und auch sehr scharf attackiert. Allerdings muß es, trotz aller politisch unterschiedlicher Auffassung, auch bei noch so harten Auseinandersetzungen so fair bleiben, daß man sich hinterher die Hand geben kann.

Wir müssen gemeinsam die Stadt vertreten und zum Wohle der Stadt alle an einem Strang ziehen. Und wenn ich sage an einem Strang, meine ich auch an einem Ende vom Strang und nicht, daß wir gegeneinander ziehen. Die Politik versteht sich als einen Teil der Verwaltung und wir müssen uns einigen, müssen gewisse Dinge auf den Weg zu bringen, wenn wir diese Stadt voranbringen und Arbeitsplätze schaffen wollen. Schon früher habe ich mich mit der SPD über die wesentlichen Dinge unterhalten: was kann man hier machen, was kann man da machen, welchen Weg wollen wir gehen? Jetzt als Stadtpräsident kann ich Dinge im

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