Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. Juli 2019

Ausgabe vom 05. Mai 1998

Noch wölben sich die Mauern bedenklich

Die Roßmühle wird saniert - Größtes vollständig erhaltenes Fachwerkhaus der Innenstadt jetzt in Privatbesitz

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Dietrich Oldenburg (2. v. l.) bespricht mit Architekt Johannes Frenzel (3. v. l.), Zimmerermeister Uwe Bestmann (l.) und Bauingenieur Wolfgang Scharfenberg die Vorgehensweise bei der Sanierung der Roßmühle; Fotos (2): C. Przywara

Die Roßmühle, das langgestreckte Fachwerkhaus an der Obertrave 43, wird saniert. Die städtische Grundstücksgesellschaft "Trave" hat das Haus aus dem Jahr 1750 an zwei Familien verkauft. Die neuen Besitzer haben Ende Februar mit der Erneuerung der beiden Haushälften, die im Erdgeschoß durch die Toreinfahrt getrennt sind, begonnen.

Rund zwei Millionen Mark, schätzt Johannes Frenzel, einer der zwei bauleitenden Architekten, wird es kosten, bis die zwei Haushälften zum Ende des Jahres bewohnbar sein werden.

30 Prozent der Kosten werden durch Städtebaufördermittel finanziert, die als Darlehen vergeben werden.

Laut Dietrich Oldenburg vom Bereich Denkmalpflege ist es das größte Fachwerkgebäude in der Lübecker Innenstadt, das vollständig erhalten ist. Zumindest die Untergeschosse vieler anderer Fachwerkhäuser aus dem Mittelalter mußten wegen starker Schäden in der Regel neu gemauert werden.

Dies ist zwar bei der Roßmühle nicht der Fall. Doch die Mauern des Fundaments wölben sich bedenklich nach außen. Eine Ursache dafür ist, vermutet Oldenburg, daß bei dem Umbau des Gebäudes nach dem Ersten Weltkrieg die innenliegenden raumhohen Querstreben im gesamten Gebäude entfernt wurden, "wahrscheinlich aus optischen Gründen". Dies habe zur Destabilisierung geführt. Vor allem in der unteren Haushälfte sei es zu starken Verschiebungen gekommen.

24 Zentimeter dicke Wand

Die betroffenen Fachwerkteile werden jetzt innen und außen durch eine Sicherungskonstruktion abgestützt (Foto rechts). Zukünftig werden eine 24 Zentimeter dicke Mittelwand und verstärkte Fachwerkwände die Deckenlast tragen.

Wenn die statischen Maßnahmen zur Sicherung der derzeit nur eingeschränkt tragfähigen Gebäudeteile beendet sind, wird der Innenraum saniert: Erdgeschoß, Obergeschoß und Dachboden. Die gesamte Wohnfläche beträgt 392 Quadratmeter.

Zwei große Wohnungen

Die Planung orientiert sich an der Aufteilung von 1918. Die Treppen bleiben, doch aus den acht winzigen Wohnungen werden zwei große, die durch die Einfahrt in der Hausmitte getrennt sind. Neben den Treppen sind aus der Bauphase von 1918 sämtliche Innentüren und zwei ältere Kachelöfen erhalten geblieben, die wieder in die Wohnungen integriert werden.

Ein Ausbau des Dachgeschosses wurde von der Denkmalpflege nur in kleinem Umfang genehmigt. Der ursprüngliche Zustand des 90 Quadratmeter großen Dachbodens, der jahrzehntelang vorwiegend zum Wäschetrocknen genutzt wurde, sollte nicht verändert werden.

Sind die Maurerarbeiten abgeschlossen, muß der Zimmermann zeigen, was er kann. Erst danach können Heizung und Sanitäranlagen eingebaut werden.

Aufwendige Reparatur

"Die Reparatur des Fachwerks ist ziemlich aufwendig", so Dietrich Oldenburg, der die Sanierung begleitet. Er achtet streng darauf, daß die Auflagen im Sinne der Denkmalpflege eingehalten werden. "Das fängt schon bei der Auswahl des Mauermörtels an", erklärt er. Bei der Reparatur der Balkenteile und der Ausbesserung der Mauern durch andere Steine müsse ebenfalls auf die Auswahl passender Materialien geachtet werden. Wenn die neuen Besitzer reparieren und instandsetzen, ist dafür in Zukunft eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich - wie bei anderen denkmalgeschützten Gebäuden auch.

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