Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 05. Mai 1998

Der Monat des Musiktheaters

Im Mai letzte Vorstellungen für "Rigoletto", "Carmen" und "Hoffmanns Erzählungen"

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Orpheus (Maria Koler, re.) und Eurydike (Renée Sessely); Foto: TL

Im Monat Mai zeigt das Lübecker
Musiktheater im Großen Haus an der Beckergrube noch einmal alles, was es in dieser Saison zu bieten hat- bis auf die beendete Serie des Musicals "Hair". Gleich sieben Werke stehen auf dem Spielplan.

Es heißt aber auch Abschied nehmen von drei höchst erfolgreichen Produktionen:Letzte Vorstellungen gibt es für Giuseppe Verdis "Rigoletto" (15.), Georges Bizets "Carmen" (22.) und Jacques Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" (31.).

Offenbachs Oper bildete den phantasievollen Auftakt der Spielzeit; Regie führte Anthony Pilavachi, der jetzt auch zu ihrem Ausklang Giacomo Puccinis "Madame Butterfly" (4. Juli) inszeniert.

Weiterhin stand "Die Fledermaus" von Johann Strauß (am 2.) auf dem Programm - und ist noch zu erleben. "La Traviata" von Verdi (5., 8. und 30.), Figaros Hochzeit von Wolfgang Amadeus Mozart (23.) sowie "Orpheus und Eurydike" von Christoph Willibald Gluck (9., 10., 14., 16.und 20.). Dieser Orpheus geht nach den beiden Premieren vor Ostern jetzt "in Serie".

Meisterwerk der Vorklassik

Dem Meisterwerk der Vorklassik blickten die Opernfreunde in der Hansestadt ein wenig gespannt und kritisch entgegen - wie würde sich Regisseur Jürgen Tamchina bei dem doch handlungsarmen Werk aus der Affäre ziehen?

Nun, Glucks berühmte Version der griechischen Sage vom Sänger Or- pheus, der ins Reich der Toten eindringen darf, um seine geliebte Eurydike zu sich ins Leben zurückzuholen - dieses Werk haben Tamchina und Erster Kapellmeister Rüdiger Bohn für die Opernbühne wiedergewonnen.

Erste Maßnahme:Sie strafften das Werk auf knappe anderthalb Stunden. Die zweite:Tamchina stilisierte zusammen mit seinem Bühnenbildner Hans Dieter Schaal geschickt das Geschehen. Er schafft Atmosphäre durch Chor-Bewegung und gemessenes Agieren der drei Figuren und ihrer "Schatten". Und drittens:Dirigent Bohn holt das Orchester fast auf Bühnenhöhe herauf und läßt es sich einstimmen auf einen etwas aufgerauhten Klang; dieser bringt Glucks musikalische Intentionen ohne fälschliche Romantizismen zur Geltung - das ist das Erfahrbarmachen des Verlustes eines Menschen.

Überzeugende Interpretation

In den drei Partien, sie sind original alle mit Frauenstimmen besetzt, ist Eli-sabeth Kraus als Amor die licht und rein singende Konstante. Als Orpheus alternieren Maria Koler (stets nachdrücklich präsent) und Angela Nick (zurückhaltender, mit schön kontrollierten Piani) sowie als Eurydike die schwebende Renée Sessely und die engagierte Lisa Graf.

Mit dieser inhaltlich wie musikalisch klaren und überzeugenden Gluck-Interpretation hält Lübecks Oper ihr sehr gutes Niveau.

In der Platzausnutzung liegt das Musiktheater weit vorn im Vergleich mit vielen anderen Häusern dieser Größen- ordnung - und angesichts des sehr kleinen Ensembles. Daher ist mit der jungen amerikanischen Sopranistin Lisa Graf auch ein Gast verpflichtet worden, um sich mit der ansonsten vielbeschäftigten René Sessely in der Partie der Eurydike abzuwechseln.Güz

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