Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 16. Juli 2019

Ausgabe vom 01. Juni 2004

Zum Schutze aller

Im Gesundheitsamt wird ab heute nicht mehr geraucht - Interview mit dem Leiter

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Dr. Michael Hamschmidt, Chef des Gesundheitsamtes, geht davon aus, daß die gesamte Verwaltung in ein paar Jahren rauchfrei ist. ; Foto: N. Neubauer

Herr Dr. Hamschmidt, heute tritt die Dienstvereinbarung zum Nichtraucherschutz im Gesundheitsamt in Kraft. Das heißt, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen ab sofort nicht mehr im Gebäude rauchen. Ist das nicht ein bißchen hart für die Raucher und Raucherinnen?

Die Dienstvereinbarung wurde nach einer Mitarbeiterversammlung beschlossen. In dieser Versammlung hatten sich auch die rauchenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großer Mehrheit mit dieser Vereinbarung einverstanden erklärt. Um keine eventuellen "Härten" aufkommen zu lassen, besteht ja das Angebot, an einem Raucherentwöhnungstraining teilzunehmen. Seien wir doch ehrlich, jeder einzelne Raucher, jede einzelne Raucherin ist sich doch voll darüber im klaren, daß man nicht nur sich gesundheitlichen Schaden zufügt, sondern auch seiner Umgebung. In diesem Zusammenhang ist die Dienstvereinbarung eher eine Hilfe, um endlich mit dem Rauchen aufzuhören.

Warum ist es so wichtig, daß am Arbeitsplatz nicht geraucht wird?

Ein nicht zu unterschätzender Grund ist sicherlich die im letzten Jahr überarbeitete Arbeitsstättenverordnung, die den Arbeitgeber dazu verpflichtet, "Maßnahmen zu treffen, damit die nicht rauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gefahren durch Tabakrauch geschützt sind". Dieser Schutz geht soweit, daß der Arbeitgeber zum Beispiel dafür zu sorgen hat, daß nicht rauchende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kein Raucherbüro betreten müssen. Aber abgesehen von den gesundheitlichen Auswirkungen für die Mitarbeiter halte ich es darüber hinaus für mindestens genauso wichtig, daß auch unsere Kunden nicht durch Rauch beeinträchtigt werden.

Das Gesundheitsamt geht mit gutem Beispiel voran. Es ist meines Wissens der erste Bereich der Stadtverwaltung, in dem nicht geraucht werden darf. Sollen jetzt andere nachziehen? Muß die gesamte Stadtverwaltung rauchfrei werden?

Praktisch gleichzeitig mit dem Gesundheitsamt hat die Feuerwehr eine entsprechende Dienstvereinbarung verabschiedet, auch im Fortbildungszentrum der Hansestadt Lübeck bestehen Vereinbarungen zum Nichtraucherschutz. In diversen anderen Bereichen der Hansestadt Lübeck werden diesbezüglich erste Vorbereitungen getroffen. Zurzeit wird auch diskutiert über eine Vereinbarung für die gesamte Stadtverwaltung. Als Gesundheitsamt wollten wir mit gutem Beispiel vorangehen. Ich bin fest davon überzeugt, daß gerade auch hinsichtlich eines wirksamen Gesundheitsschutzes wir als öffentliche Verwaltung in den nächsten Jahren ein komplettes Rauchverbot in allen öffentlichen Verwaltungen haben werden zum Schutze aller.

Bekommen wir nicht irgendwann amerikanische Verhältnis-se? Werden Raucher dann nicht zu sehr ausgegrenzt?

Ich gehe allerdings davon aus, daß wir in wenigen Jahren in punkto "Nichtrauchen" amerikanische Verhältnisse haben werden. Ich halte dieses nicht für eine Ausgrenzung von Rauchern, viel mehr halte ich es für eine Verbesserung der Freiheit der Nichtraucher. Wir alle wünschen uns doch eine optimale Gesundheit. Fangen wir doch hier einfach bei uns selbst an. Es ist einfach und kostet nicht nur nichts, sondern spart sogar noch eine ganze Menge.

Wer hat die Dienstvereinbarung eigentlich initiiert? Sind überzeugte Nichtraucher auf Sie zugekommen? Haben Sie sie ins Leben gerufen?

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wer sie initiiert hat, wir haben aber in den letzten Jahren immer wieder und immer häufiger über die Problematik "Nichtrauchen" gesprochen, so daß der Beschluß zu versuchen, das Gesundheitsamt rauchfrei zu machen, in einer unserer Koordinationsteam-Sitzungen im Gesundheitsamt fast zwangsläufig getroffen wurde.

FRISCHE LUFT IN DER VERWALTUNG

Das Gesundheitsamt der Hansestadt Lübeck ist ab heute rauchfrei. Die 13 Tabakkonsumenten unter den 58 Mitarbeitern rauchen fortan im Innenhof oder versuchen mittels eines Entwöhnungskurses, den das Gesundheitsamt mitfinanziert, ihrem Laster abzuschwören. Das Gesundheitsamt ist nicht der erste rauchfreie Bereich der Hansestadt Lübeck. Frische Luft weht auch bei der Berufsfeuerwehr der Hanse-stadt, wo seit März ein generelles Rauchverbot in allen Gebäuden und Dienstfahrzeugen - mit wenigen Ausnahmen - gilt. Dort ist jeder dritte der 275 Beschäftigten Raucher.

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