Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 01. Juni 2004

Lust und Laster des Rauchens

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes wollen weniger schmöken - Gar nicht so einfach

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Edith Kaufhold will weniger rauchen.; Gerda Wittfoht versucht¹s mit Kräuterzigaretten.; Karin Oswald hat es geschafft: Sie raucht nicht mehr

Edith Kaufhold hat ein bißchen Angst, daß sie es nicht packt. Seit heute ist das Gesundheits-amt in der Sophienstraße rauchfrei: kein Besucher, aber eben auch kein Mitarbeiter darf sich in der Küche, im Flur oder anderswo einen Glimmstengel anstecken. Eine entsprechende Dienstvereinbarung unterzeichneten Dr. Michael Ham-schmidt, Leiter des Gesundheitsamtes, und Personalrätin Karin Oswald vor wenigen Wochen - heute tritt sie in Kraft. Rauche-rinnen wie Edith Kaufhold müssen nun im Innenhof schmöken. Dreimal am Tag dürfen sie das laut Dienstvereinbarung.

"Bei meinem Zigarettenkonsum ist das natürlich schwierig", sagt die 59jährige Sekretärin im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst. Und dabei hat sie den dank eines Entwöhnungskurses schon reduziert: 40 Zigaretten zog sie bis vor wenigen Wochen noch durch, jetzt kommt sie mit 30 über die Runden. Ganz dem Laster abzuschwören, dem sie seit 40 Jahren verfallen ist, schafft sie nicht. "Ich brauche etwas, woran ich mich festhalten kann." Kaufhold raucht, wenn sie im Streß ist, raucht, wenn sie zur Ruhe kommen und raucht, wenn sie sich sich belohnen will. "Den Haushalt organisieren, arbeiten, die Hin- und Herfahrerei - für mich selbst habe ich kaum Zeit. Wenigstens die Zigarette gönne ich mir." Mit Hilfe des sechswöchigen Ent-wöhnungsunterrichts will sie auf eine Schachtel pro Tag kommen, irgendwann schließlich ganz aufhören. "Bronchitis, Asthma - es ist nicht gut, daß ich rauche."

Kräuterzigaretten

Eine, die den Entwöhnungs-kurs, an dessen Finanzierung sich neben der Krankenkasse auch das Gesundheitsamt beteiligt, schon hinter sich hat, ist Gerda Wittfoht. Die 53jährige arbeitet im Sekretariat des sozialpsychiatrischen Dienstes und schmökt seit 33 Jahren - 20 Zigaretten täglich. Mit Hilfe des Entwöhnungskurses wollte sie eigentlich aufhören, das hat nicht geklappt. "Den Konsum einzuschränken, ist schon viel wert." Und das gelingt ihr immer öfter: mittels der Kräuterzigaretten, die sie in der Apotheke kauft zum Beispiel. "Von denen wird einem speiübel - das ist wirklich was zum Abgewöhnen." Jetzt, da das Gesundheitsamt rauchfrei ist, will sie nur noch nach der Arbeit rauchen, zum Feierabend.

Eine, die es geschafft hat, der Nikotinsucht zu entkommen, ist Personalrätin Karin Oswald. Seit sechs Jahren hat sie keine Zigarette mehr angerührt, dafür bedurfte es aber mehrerer Anläufe einschließlich eines Entwöhnungskurses. Ihr Tip: "Sich nicht durch `Rückfälle' entmutigen lassen, immer wieder Anläufe machen, es klappt und es lohnt sich. Nicht nur finanziell sondern auch gesundheitlich", meint Oswald.

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