Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. Juli 2019

Ausgabe vom 29. März 2005

Nur die Spitze des Schaumbergs: der Blankensee wird enteist

Bündnis 90 / Die Grünen

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Autor: Hans-Jürgen Schubert

V.i.S.d.P.: Carl Howe

Diesmal konnten alle sehen, dass nicht das schöne Wetter schuld war. Als Mitte März der Blankensee als Schaumbad erschien, fiel es auch hartnäckigen Schönrednern schwer, dies als Naturgeschehen zu deuten. Abscheide-Vorrichtungen für versprühte Enteisungsmittel gibt es für das Vorfeld des Flughafens, aber für die Startbahn gibt es die behördliche Genehmigung, die Chemikalien unbehandelt in den Blankensee und die umgebende Landschaft zu leiten. Und das sind nicht nur Glykole: die Startbahn wird mit Natriumformiat und einer Kaliumacetat-Mischung eisfrei gehalten, erfuhr der Umweltausschuss am 17. März von einem Besucher aus Groß Grönau.

Enteisungsmittel gelten aber für Genehmigungsbehörden als biologisch vollständig abbaubar. Das ist nicht einmal ganz falsch: sie werden unter Sauerstoffzehrung im Wasser abgebaut und sind verschwunden, wenn die Fische mangels Sauerstoff tot an der Oberfläche schwimmen. Ein größeres Fischsterben gab es z.B. im Jahr 2001. Der Flughafen verbrauchte z.B. im Jahr 2001 etwa 50 Tonnen Enteisungsmittel.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, die Einleitung von Schadstoffen in ein Gewässer so gering zu halten, wie es nach dem Stand der Technik möglich ist. Das ist eine bescheidene Anforderung, denn der Stand der Technik ist stets niedriger als der Stand der Wissenschaft. Aber auf technische Vorkehrungen zum Schutz der Umwelt kann nach Recht und Gesetz nicht verzichtet werden, weil ein defizitärer Airport das Geld für neue Tapeten seines Terminals braucht. Wie es möglich ist, dass der Flughafen Lübeck unterhalb des Standes der Technik Schadstoffe bis zur zwanzigfachen Menge einer "Geringverschmutzung" in den Blankensee leiten kann, versuchen wir zur Zeit herauszufinden.

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