Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 12. April 2005

Lübecker zum Tod Papst Johannes Paul II.

Hans-Lothar Fauth war Helfer und Kurier des polnischen Widerstands

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Dieses vom Papst geweihte und gesegnete Kruzifix erhielt Hans-Lothar Fauth anlässlich des ersten Besuchs des Pontifex in Polen. Ein Kunstwerk für ihn und neun weitere Empfänger, das der Papst selbst in1,50 Meter Größe bekam. Darüber ein Foto mit Kardinal Karol Wojtyla und Papst Paul VI, Prymas Stefan Wyszynski und abp Bronislaw Dabrowski. Auf dem unteren Foto Hans-Lothar Fauth mit dem ersten frei gewählten Danziger Stadtpräsidenten Andrzej Januszajtis und dem Danziger Erzbischof Tadeusz Goclowski.; Foto: R. Bartsch

Die Welt trauert um den verstorbenen Papst Johannes Paul II. Die Flaggen stehen auf Halbmast. So auch in Lübeck am Hause Mühlenbrücke 11. Dort trägt der in Danzig geborene Wahl-Lübecker Hans-Lothar Fauth an seinen Fenstern seine Trauer mit dem Bild des Papstes - umsäumt von der päpstlichen Fahne und der Europas mit Trauerflor - auch nach außen. Ungewöhnlich für den eher herben und überwiegend evangelischen Norden, nicht aber den gläubigen Katholiken.

Im Gespräch mit ihm ergeben sich in diesen Tagen interessante Rückschlüsse auf sein eigenes persönliches Schicksal und seine berufliche wie politische Vergangenheit in dieser Stadt. Die nach dem Krieg damit begann, dass er als entlassener Kriegsgefangener hier in den Trümmern stand und sich vielleicht schon unbewusst entschloss, Lübecker zu werden. Er nahm aber dann 1947 den Umweg als Dominikaner-Mönch im rheinischen Walberberg und kehrte nach freiwilligem Verlassen des Klosters 1952 wieder an die Trave zurück.

Aktuelles Thema

Nichts Eiligeres im Sinn, hier sogleich im Einvernehmen mit den englischen Besatzern den Bund Europäischer Jugend zu gründen. Warum das alles vorweg, wenn das aktuelle Thema das des Todes Johannes Paul II ist? Es müssen wohl schon damals Visionen im zerschlagenen, geteilten Deutschland gewesen sein, die den einstigen Hitlerjungen wie Atheisten auf einen Weg gebracht haben, der jetzt im aktuellen Licht der Geschehnisse als durchaus wundersam anzusehen ist: Viele Jahrzehnte als erfolgreicher Gastronom und Politiker in der Lübecker Bürgerschaft tätig, der "auf ein bewegtes Leben" zurückblicken konnte, wie der bekannte Lübecker Journalist Helmut von der Lippe zu dessen 70. Geburtstag schon schrieb, heute als Siebenundsiebzigjähriger den Tod des Papstes erlebt und zurückblickend nur in einer seiner Visionen eines Besseren belehrt wurde: Die Besatzer gingen, ein großes Europa ist gewachsen, Deutschland wurde wieder eins, der Kommunismus ist zerbrochen, und damit kam die Freiheit auch in seine Heimatstadt Danzig. Hans - Lothar Fauth glaubte, das nicht mehr zu erleben - ein Irrtum eben! Erneut die Zwischenfrage, was das mit dem verstorbenen Papst zu tun hat?

Wichtiges Visum

Hans-Lothar Fauth schaffte es 1960, den russischen Staatszirkus zu einem Gastspiel nach Hamburg zu holen. Zwei Jahre später bekam er "als Dank dafür" eine Einladung des sowjetischen Kultusministers nach Moskau, der ihm auf seine Bitte hin ein Visum für den Besuch Danzigs ermöglichte. Für in Danzig geborene Deutsche eine Sensation. Ein Visum, das regelmäßig neu erteilt, ihm den Weg zur Unterstützung des polnischen Widerstands gegen den Kommunismus ebnete. Einen Weg, den er vor allem über kirchliche Würdenträger suchte und fand.

In diesen Zeiten wurde der Krakauer Kardinal Karol Wojtyla zum Papst gewählt: Johannes Paul II. "Wenn jemals wieder der Heilige Geist über die Menschen gekommen ist, dann für diese Entscheidung," bemerkt Hans-Lothar Fauth.

Der Kreis schließt sich, als er als dessen Kurier der Arbeitervereinigung "Solidarnosc" einen Brief überbrachte und dabei weiterhin sein Leben riskierte. Bei dessen erstem Besuch Polens in neuer Würde lernte er den Papst endlich persönlich kennen und schätzen.

Dem folgten später zwei weitere Wiedersehen: "Dieser Papst war ein durchaus einfacher, aber dafür überaus herzlicher Mensch!", so seine Gedanken. "Unkompliziert, der sich Zeit nahm, sich über Danzig berichten zu lassen. Ich bin voller Trauer über seinen so langen Todeskampf!" Die vom Papst damals unterstützte polnische Arbeiterbewegung wurde schließlich zum Ausgangspunkt des Endes des Kalten Krieges und des Zerfalls der UdSSR. Nicht ohne Akzeptanz des letzten Nachfolgers Stalins Michael Gorbatschow, wie ebenso betont werden muss. Hans - Lothar Fauth selbst wurde für seine hier nur angerissenen Verdienste mehrfach geehrt: Er ist Ehrenbürger und -senator Danzigs. Schon die polnische Exilregierung verlieh ihm als wohl bis heute einzigem Deutschen das "Kommandeur-Kreuz mit Stern Polonia Restituta", Deutschland das Bundesverdienstkreuz am Bande. Mit Fug und Recht also, Hans-Lothar Fauth als besonderen Kenner dieses Kapitels der Geschichte anzuerkennen. Er nennt Johannes Paul II. den "Volkspapst", der zweifellos einem Großteil der Welt die Freiheit brachte.

Anerkennung und Kritik

Aber er sieht den Verstorbenen ebenfalls kritisch. Immer noch mit den Augen, mit denen er schon als ehemaliger Dominikaner-Mönch seine katholische Kirche gesehen hat: "Ich war damals bereits für die Aufhebung des Zölibats mit grundsätzlich freier Entscheidung. Frauen sollten endlich die Priesterweihe empfangen können. Auch Empfängnisverhütung und Aidsprävention mittels Verwendung von Kondomen darf längst kein Tabu mehr sein. Aber nach wie vor bin ich gegen jegliche Abtreibung!" Ganz wichtig für ihn die

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