Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ausgabe vom 21. Juni 2005

Synagoge feiert 125-jähriges Bestehen

Ministerpräsident Harry Carstensen, Vertreter der Familie Carlebach sowie der Bürgerschaft zu Gast

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V. l.: Ministerpräsident Harry Carstensen, Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden Charlotte Knobloch , Botschaftsrat Joel Lion und Bürgermeister Bernd Saxe im Gespräch. Foto: M. S. Niemann

Bei Kaiserwetter wurde die Lübecker Synagoge am 10. Juni 1880 begründet - bei Kaiserwetter begingen am vergangenen Sonntag die jüdische Gemeinde und ihre Gäste das 125-jährige Jubiläum des jüdischen Gotteshauses.

Zu dem Festakt ließ es sich der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Harry Carstensen (CDU) nicht nehmen, seine Glückwünsche zu überbringen. Auch reiste der gleichnamige Enkel des "Rabbi von Lübeck", und Mitbegründer der Synagoge, Salomon Carlebach, an. Vertreter der Bürgerschaftsfraktionen erwiesen der jüdischen Gemeinde ebenso die Ehre.

"Es freut mich, dass seit Anfang diesen Jahres die Jüdische Gemeinde Lübeck vollständig selbständig ist. Die Jüdische Gemeinde belebt Lübeck. Die Synagoge ist ein Zeichen für Toleranz, Weltoffenheit und für die friedliche Verständigung über Religionsgrenzen hinweg. Ihr Platz inmitten der Altstadt zeigt deutlich, dass unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aktiver Teil unserer Stadt sind", so Bürgermeister Bernd Saxe in seiner Ansprache. Damit knüpfe sie an die lange Zeit jüdischen Lebens in der Hansestadt an, deren Wurzeln bis in das Mittelalter reichen.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erlebte die jüdische Gemeinde eine neue Blüte durch den Zuzug neuer Mitbürger aus Osteuropa, so dass ab diesem Jahr die Jüdische Gemeinde in Lübeck nach über 70 Jahren wieder rechtlich und finanziell selbständig ist.

Charlotte Knobloch, Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, erinnerte in ihrer Rede an die Auswirkungen der Nazi-Herrschaft und die Kraft der Juden, neu anzufangen. "Das war nach dem Holocaust mehr als schwierig", so Knobloch.

Die Lübecker Synagoge wurde in den Jahren 1994 und 1995 Opfer von Brandanschlägen, die ersten Anschläge in Deutschland seit der Reichsprogromnacht. Die Angst vor Übergriffen auf Juden in Lübeck und deutschlandweit wuchs schlagartig an.

Die besten Wünsche aus tiefstem Herzen überbrachte Joel Lion, Botschaftsrat der Botschaft des Staates Israel der Synagoge von seinem Land der "blühenden Gemeinde". Der Vorsitzende der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, Jizhak Ehrenberg, bezeichnete die heutige Zeit als "beste Zeit in der jüdischen Geschichte".

Anke Eymer, MdB, verlies Grußworte von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht persönlich anwesend sein konnte. Danach kam Salomon Carlebach zu Wort, der an seine Familie, die jüdische Tradition und Erlebnisse erinnerte. Die Hansestadt Lübeck wird als Zeichen ihrer großen Verbundenheit einen neuen, sechs Hektar großen Park im Hochschulstadtteil nach der Familie Carlebach benennen.

"125 Jahre Synagoge" lautet der Titel des nebenstehenden Buches, das im Jubiläumsjahr he-raus gegeben wurde. Autor ist Dr. Peter Guttkuhn. ISBN 3-7950-4818-4. Das Buch kostet 11 Euro.

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