Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 18. November 2018

Ausgabe vom 11. April 2006

Historische Deckenmalerei

Im ehemaligen sechsten Polizeirevier wertvoller Fund entdeckt

Die Beamten des ehemaligen sechsten Polizeireviers in Travemünde wussten nie, in welch prunkvollen Räumen sich ihre Dienststuben und Wachräume befanden. 2002 verließ die Polizei das historische Gebäude an der Vorderreihe 7, das 2005 verkauft wurde. Seitdem laufen Sanierungs- und Umbauarbeiten. Dabei wurden im Januar wertvolle Deckenmalereien entdeckt, die aus dem 17. Jahrhundert stammen, als das Gebäude noch Sitz des Vogtes war.

Die historische Kassettendecke war vermutlich im 18. oder 19. Jahrhundert abgehängt, als das Regierungsgebäude immer mehr zur Verwaltung wurde. Seitdem schlummerten die Portraits von elf römischen Kaisern und Politikern sowie das 1623 signierte Lübecker Wappen unter einer Zwischendecke. Als sie im Januar entfernt wurde, staunten die Handwerker sicher sehr, denn die Malereien sind fast unversehrt. "In einem so guten zustand gibt es keine vergleichbaren Funde aus dieser Zeit in Schleswig-Holstein", sagt Dr. Michael Sobottka von der Lübecker Denkmalpflege. "Die Decke in der Lübecker St. Lorenz-Kirche stammt ungefähr aus der gleichen Zeit", sagt der Kunsthistoriker, für den der Fund ein wahrer Schatz ist. Zwar gibt es in der Hansestadt Lübeck rund 900 historische Malereien in den alten Häusern und etwa 20 werden jedes Jahr bei Sanierungen oder Umbauten gefunden. Doch in Travemünde sind solche wichtigen Funde eher selten. "Aber es gibt noch einige mittelalterliche Häuser, die weitere Schätze verbergen könnten", ist er sich sicher. Wenn, dann werden die aber erst bei künftigen Bauarbeiten zum Vorschein kommen.

Das Doppelhaus der ehemaligen lübschen Vogtei und späteren Polizeiwache stammt in einigen Teilen noch aus dem Mittelalter. Das gotische Mauerwerk fiel vermutlich einem Brand zum Opfer. 1551 wurde das Gebäude neu errichtet und 1599 um einen Anbau, das Audienzhaus erweitert. In diesem kleineren Gebäude mit Versammlungssaal, der vermutlich auch für Gerichtsverhandlungen genutzt wurde, sind jetzt die alten Malereien aufgetaucht.

Damit die Abbildungen von Antonius, Gallus, Tiberius, Augustus, Decius, Otho, Justin und Nerva auch weitere Jahrhunderte erhalten bleiben, werden sie von Kunsthistorikern untersucht und gegebenenfalls restauriert oder konserviert. Der Käufer des historischen Hauses direkt an der Priwallfähre will den Raum mit den wertvollen Malereien künftig der

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