Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 16. Juni 1998

Beeindruckende Leistung zum Jubiläum

Eine Bilanz der 100. Saison des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck

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Das Philharmonische Orchester; Foto: MuK

Die 100. Saison des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck ist eine lange - durch den frühen Beginn 1997 und durch die späten Ferien in diesem Sommer. Zu ihrem Jubiläum haben die Musiker ein erstaunliches Pensum absolviert und vor allem hervorragende Leistungen hören lassen. Zwar steht die "Butterfly"-Premiere am 26. Juni noch aus, aber mit dem 9. Sinfoniekonzert, mit dem Beethoven-Programm unter Leitung von Generalmusikdirektor Erich Wächter, wurde am Montag abend in der MuK der philharmonische Schlußpunkt gesetzt.

Gemischtes Angebot

Neun Doppel-Sinfoniekonzerte mit einem wie stets sorgsam gemischten Angebot aus Klassik, Romantik und 20. Jahrhundert sprachen in der MuK alte und neue Freunde der Sinfonik an.

Herausragend dabei Wächters Interpretation zweier gewichtiger Werke:Gustav Mahlers "Tragischer" und Friedhelm Döhls Sinfonie für großes Orchester, die als Auftragswerk zum Jubiläum uraufgeführt wurde. Die Philharmoniker bestanden die Qualitätsanforderungen ebenso souverän wie unter den GastdirigentenAnton Marik - mit einem überwiegend russischen Programm - und Günter Neuhold mit komplizierter Musik unseres Jahrhunderts.

Herausragend ebenfalls die Wiederbegegnung mit zwei früheren Chefdirigenten:Bernhard Klee führte durch seine Interpretationen (Webern, Schreker, Haydn) das Orchester auf ganz hohes, selten so erlebtes Niveau, und Matthias Kuntzsch steckte mit seiner Begeisterung in einem Sonderkonzert (Beethoven, Brahms) Musiker und Publikum gleichermaßen an - beide Dirigenten und der gleichfalls Motivationsschübe gebende Woldemar Nelsson sollten alsbald wiederkommen.

Drei weitere Sonderkonzerte machten neugierig. Jenes zum Jubiläum am 30. Oktober mit derselben eigenartigen Werkfolge wie genau hundert Jahre zuvor hinterließ einen zwiespältigen Eindruck. In Bachs sechs Brandenburgischen Konzerten demonstrierten im Januar die Orchestermusiker ihre solistischen Fähigkeiten - mit Sebastian Hamann (Violine) an der Spitze, der zusammen mit Hans-Christian Schwarz (Violoncello) und Konrad Elser (Klavier) darauf auch Beethovens Tripelkonzert zum Erfolg verhalf. Joachim Pfeiffer (Trompete) und Bruno Merse profilierten sich weiter, der 2. Konzertmeister nicht im Auftaktkonzert zum gelungenen ersten Orchesterball, der übrigens dringend nach einer Neuauflage im nächsten Frühjahr verlangt.

Der wichtige Aspekt der Kammermusik wurde in der Reihe der Kleinen Montagskonzerte im Rathaus weitergeführt, darunter die philharmonischen Cellisten mit raffiniertem Klangzauber aufwarteten. Dem Hörer-Nachwuchs galten wieder drei Kinderkonzerte - und das inzwischen zur Tradition gewordene Neujahrskonzert in der MuK hat sein wachsendes Stammpublikum.

28 Orchesterkonzerte

Zu insgesamt also 28 (!) Orchesterkonzerten und zur freiwilligen Kammermusik-Pflege kommen in der Jubiläumssaison die vielen Einsätze im Musiktheater - wahrlich eine große Leistung für die 66 Mitglieder des Lübecker Philharmonischen Orchesters, das seinen kulturellen Auftrag mit viel Engagement erfüllt. Dazu gehört schließlich die Mitwirkung bei großen kirchenmusikalischen Aufführungen.

Die kommende Konzertsaison 1998/-99 unter GeneralmusikdirektorErich Wächter bietet erneut ein interessantes Programm. Es ist im Vorschauheft des Theaters abgedruckt. Das Abo-Büro im Theater ist geöffnet dienstgas bis sonnabends 10 bis 13 Uhr sowie dienstags bis freitags auch 16 bis 18.30 Uhr.Güz

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