Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 22. Juli 2019

Ausgabe vom 16. Juni 1998

Gleiches Recht für Schwulen und Lesben

SPD

In der jüngsten Bürgerschaftssitzung war die Homosexualität erstmals Thema. Anlaß dafür war ein Antrag der Bündnisgrünen, das Rathaus am "Christopher-Street-Day" mit der Regenbogenfahne der Lesben- und Schwulenbewegung zu beflaggen. Der SPD war das nicht genug und sie forderte, daß der Bürgermeister die Aktionen zu diesem Anlaß in geeigneter Weise unterstützt.

Der Antrag der Bündnisgrünen wurde dann um eine allgemeine Resolution erweitert, die plakative Flaggenaktion sollte jedoch als einzig genann te Maßnahme enthalten bleiben. Das war aus Sicht der SPD immer noch nicht sinnvoll, nunmehr wurden alle Anträge abgelehnt. Ein Trauerspiel!

Der Christopher-Street-Day geht zurück auf eine Razzia der Polizei im New Yorker "Milieu" in der Stonewall-Bar in eben der Christopher-Street im Jahr 1969. Der Unmut über die Polizeiaktion war groß. Mit diesem Ereignis war eine neue, politische Schwulen- und Lesbenbewegung geboren.

Schon bald hauchten die Bewegungen in den USA auch den Homosexuellengruppen in Deutschland neues Leben ein. Im Mittelpunkt standen die Liberalisierung des Sexualstrafrechts, insbesondere die Abschaffung des Paragraphen 175 StGB, später die Auseinandersetzung mit Aids. Doch fast dreißig Jahre nach dem Neubeginn der Bewegung der Schwulen und Lesben sind Benachteiligungen immer noch an der Tagesordnung. Vor allem die fehlende Möglichkeit für lesbische und schwule Paare, ihre Lebensgemeinschaft rechtlich abzusichern, und natürlich die immer noch vorhandene unterschwellige Ausgrenzung zeigen, daß Engagement notwendig bleibt. "Von einer selbstverständlichen Akzeptanz sind wir noch weit entfernt", so Heide Simonis, Ministerpräsidentin und Schirmfrau des Christopher-Street-Day in Schleswig-Holstein.

Die Veranstaltungen im Frauenkulturzentrum Aranat und im Forum Gesundheit sind daher ein wichtiger Anstoß zum Denken und Handeln gewesen. Dabei sollten wir auch nicht vergessen, daß Homosexuelle in vielen Ländern der Erde verfolgt werden: Im Iran beispielsweise gilt für Homosexualität die Todesstrafe durch Steinigung, in Rumänien reicht es für einen Gefängnis- aufenthalt und Mißhandlungen. Die Verfolgten brauchen unsere Solidarität.

Das Engagement der Lübecker Lesben und Schwulen unter dem Motto "Der Norden ufert aus" zum Christopher-Street-Day ist daher ein mutiger Schritt zur Überwindung von Berührungsängsten und zu mehr Menschlichkeit in unserer Stadt.

V.i.S.d.P.: Dietrich Szameit

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