Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. Juli 2019

Ausgabe vom 24. Oktober 2006

Zwei Schutzengel für Kinder

Projekt "Familienhebamme" soll die Kleinsten schützen

Es ist kaum vorstellbar, dass in Deutschland, einem der hochentwickeltsten Länder der Welt, Kinder aus Nachlässigkeit sterben müssen. Tim, Jessica und Kevin sind drei der Namen, die mit tiefem Entsetzen verbunden sind.

Um in der Hansestadt Lübeck brenzlige Situationen für Babys und Kinder bereits im Frühstadium zu erkennen, richtete die AWO Schleswig-Holstein gGmbH ein Projekt ein, das frühe Hilfe für Mutter und Kind bietet. Künftig werden sich zwei Familienhebammen, Sabine Schlunk und Kathrin Schumacher, über den üblichen Wochenbett-Besuch hinaus um gefährdete Mütter und Kinder kümmern. "Die Betreuung kann bis zu einem Jahr in Anspruch genommen werden", berichtet Sabine Schlunk. Sie und ihre Kollegin teilen sich eine halbe Personalstelle und können so zusammen zirka acht bis zehn Familien pro Jahr betreuen.

"Natürlich ist das nicht viel, aber wir hoffen auf die Fortführung und Ausbauung des Projektes, indem wir Finanzierungsmöglichkeiten finden", erklärt Thora Wieck, Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein.

Das Projekt "Familienhebamme" ist zunächst begrenzt auf drei Jahre, finanziert wird es über das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren des Landes Schleswig-Holstein mit 10.000 Euro pro Jahr und ist ein erster Baustein des Gesamtkonzeptes "Frühe Hilfen" der AWO.

Damit Kahtrin Schumacher und Sabine Schlunk ihre Arbeit als Familienhebamme aufnehmen konnten, ließen sie sich zunächst beim Kinderschutz-Zentrum der AWO weiterbilden. Den Kontakt zu gefährdeten Familien, insbesondere zu alleinerziehenden Müttern, die psychosozial stark belastet sind, wollen die beiden Frauen über andere Hebammen, Kliniken, Gynäkologen und Beratungsstellen erlangen. Dabei möchten die Hebammen die Mütter und Familien nicht kontrollieren, im Gegenteil:"Wir stehen auf der Seite von Mutter und Kind", so Sabine Schlunk. Oft wären es schon kleine Korrekturen, die der Mutter den Umgang mit dem Kind erleichtern und ihr einen liebevolleren Zugang zum Kind ermöglichen.

Teresa Siefer, seit 15 Jahren beim Kinderschutzbund in Lübeck tätig, erklärt:"Die jugendlichen Schwangerschaften nehmen zu. Diese jungen Mütter haben ein noch oft nicht ausreichendes Wissen, wass ein Säugling braucht und kann. Wichtig für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung von Kindern ist jedoch der sichere Beziehungsaufbau zwischen Eltern und Kind".

Die Anzahl der gefährdeten Familien pro Jahr wird mit zwischen 70 und 80 Familien beziffert. "Die können wir natürlich nicht alle betreuen", bedauert Sabine Schlunk. Sie erhofft sich jedoch, dass das Projekt so gut angenommen wird, dass eine weitere finanzielle Unterstützung gewährleistet ist.

Renate Junghans Bereich Familienhilfen/Jugendamt hofft, mit dem Projekt Probleme früher zu erkennen. Im ersten Halbjahr diesen Jahres seien zwölf Kinder vom Jugendamt aus ihren Familien heraus geholt und in Obhutnahme genommen worden.

Kontakt zu den Familienhebammen ist unter 0451/61 30 585 möglich, zum Kinderschutz-Zentrum unter 0451/
78 88 1.msn

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