Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 17. Juli 2019

Ausgabe vom 05. Dezember 2006

Historische Kirchenordnung für Lübeck

Wertvolles Geschenk aus dem Jahre 1543 für die Stadtbibliothek

Der Anruf von Stadtbibliotheksleiter Dr. Robert Schweitzer kam, als Dr. Ada Kadelbach vom Vorstand der von-Keller-Stiftung, eine Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur in der Hansestadt Lübeck, während der Herbstferien auf Sylt weilte. Ein Angebot, dass sie nicht ausschlagen konnte und wollte - handelte es sich um eine Kirchenordnung aus dem Jahre 1543. Zwar war diese für die Stadt Osnabrück, verfasst wurde sie jedoch von Hermann Bonnus, lutherische Superintendent von Lübeck und erster Rektor des Katharineums (er gründete die lutherische Gelehrtenschule 1531). Ada Kadelbach verständigte sich mit dem Vorstandsvorsitzender der von-Keller-Stiftung, Claus Strätz, und die Kirchenordnung war gekauft. Für 8.000 Euro. "Dieser Fisch musste nach Lübeck. Die Kirchenordnung ist ein Geschenk an die Bilbliothek", so Kadelbach. Hier sei der damalige gewünschte Dreiklang - Schule, Bibliothek, Kirche - noch besonders gut durch das Katharineum, der Katharinenkirche und der Stadtbibliothek zu sehen.

Bonnus trat in Lübeck unter der von Johannes Bugenhagen aufgestellten Kirchenordnung an und setzte sie im praktischen kirchlichen und schulischen Leben der Stadt um. Seine Autorität verhinderte, dass die Reformation in Lübeck - von Bürgermeister Jürgen Wullenwever nach seiner Machtergreifung durchgesetzt - mit Wullenwevers Fall wieder in Gefahr geriet. Bonnus' eigene Osnabrücker Ordnung stellt damit eine umfassende Quelle zur Beurteilung der Frage dar, was sich in der Lübecker Realität der ersten zehn Jahre Protestantismus bewährt hatte. Das Werk ist damit in gleichem Maße ein Dokument der Kirchengeschichte Lübecks wie Osnabrücks.

Dr. Robert Schweitzer, kommissarischer Leiter der Stadtbibliothek, wies bei seinem Dank an die Stiftung darauf hin, dass das angebotene Stück laut Ermittlungen in den elektronisch weltweit zugänglichen Katalogen und den einschlägigen Bibliographien wohl das einzig vollständige bekannte Exemplar sei. Die Rarität - Bonnus Osnabrücker Kirchenordnung auf 18 Seiten - ist nie auf einer Nachkriegsauktion angeboten worden - ist in einem Sammelband mit anderen wichtigen Texten zur großen Religionsauseinandersetzung des 16. und 17. Jahrhunderts zusammengebunden. Unter anderem enthält dieser die offizielle deutsche Ausgabe des Osnabrücker Friedens (bekannt als Westfälischer Frieden, der den 30-jährigen Krieg beendete) sowie Texte über die protestantisch-katholische Koexistenz im Stift Osnabrück mit hochinteressanten handschriftlichen Zusätzen.

Der Erwerb der historischen Kirchenordnung zeigt einmal mehr, wie wichtig Stiftungen für Lübeck und die Kultur in der Hansestadt sind. Die von-Keller-Stiftung unterstützte in diesem Jahr die Gerkens-Kapelle, die Ausstellung "Die Kinder der Manns" im Buddenbrookhaus, die Kirchenmusikwoche der Wichern-Kirche und nun die Stadtbibliothek mit dem Buch.

msn

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