Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 21. Juli 2019

Ausgabe vom 23. Januar 2007

Sind die Volksfeste in Gefahr?

58. Delegiertentagung des Deutschen Schaustellerbundes in der MuK

Spaß sollen sie machen, Kurzweil verbreiten und Farbe in Alltag der Menschen bringen: Volksfeste, Kirmessen, "Wies'n" und "Wasen". Doch kaum jemand, der sich von Karussels durchschaukeln oder in der Geisterbahn erschrecken lässt, weiß, dass es den Schaustellern mit ihrem Gewerbe nicht allzu gut geht. Zwar besuchen 178 Millionen Deutsche jährlich die 12.000 Jahrmärkte im Land, Gewinne fahren die Schaustellerbetriebe mit rund 45.700 Direktbeschäftigten aber immer weniger ein.

"Im Jahr 2006 konnten wir einen Umsatz von zwei Milliarden Euro verzeichnen, im Jahr 2001 waren es noch 3,9 Milliarden", beziffert Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes e. V. (DSB) die Zahlen anlässlich des 58. Delegiertentages des Deutschen Schaustellerbundes vom 18. bis zum 20. Januar in Lübeck. Ritter, der gleichzeitig Präsident der Europäischen Schausteller-Union ist, sagt: "Die Gewinnspanne in unserem Gewerbe wird immer kleiner - dafür steigen die Gebühren. Die Schere der Kosten und Belastungen geht im Gegensatz zu den Gewinnen kontinuierlich auseinander". Erstmalig in der Geschichte des Schaustellergewerbes seien 2006 aufgrund der schwieriger werdenden Situation Insolvenzen angemeldet worden. Ritter fordert von den Städten und Kommunen stimmige Rahmenbedingungen, also moderate Standgebühren, und rechtliche Regelungen für Schausteller, um das Gewerbe langfristig zu sichern. "Jahrmärkte sind eine jahrhundertealte Tradition, sie bringen durch ihre Wirtschaftskraft Geld in die jeweiligen Orte und prägen das Image einer Stadt" .Über einen grundlegenden Wandel bei den Volksfesten denken die Verantwortlichen ebenso nach. "Schuld" daran ist der demografische Wandel in Deutschland, der auch vor den Kirmessen nicht halt macht. Eine vom Schaustellerbund in Auftrag gegebene Marktstudie zeigt, dass die Kernzielgruppe der 6- bis 36-Jährigen bis zum Jahr 2020 um etwa 20 Prozent schrumpft. Daher soll in Zukunft mehr für die Menschen "Ü50" getan werden. "Volksfeste werden dann romantischer", erklärt Albert Ritter. Das heißt: Langsamere Fahrgeschwindigkeiten, nicht wie bisher "schneller - höher - weiter". Dazu kommt die Einrichtung von mehr Behinderten- und Frauenparkplätzen.

Für das Jahr 2007 hat sich der Schaustellerbund neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen ein karitatives Ziel gestellt: "Schausteller unterstützen Unicef". Hierfür wurde bereits während der Tagung in der Unicef-Stadt 2007 kräftig gesammelt, weitere Gelder sollen durch Veranstaltungen und sogar eine eventuelle Unicef-Kirmes zusammenkommen. msn

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